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Wartungspause für die Seele

Wartungspause für die Seele

Ein merkwürdiges Bild. Eigentlich schwimmen Bojen draußen im weiten Meer. Als Seezeichen markieren sie dort Seeleuten sichere Schifffahrtswege. Jetzt stehen sie dichtgedrängt an Land. Hoch und trocken, wie man sagt. Aber eben völlig unnütz.

Ich befürchte: so fühlen sich einige Menschen bei uns zurzeit in ihren Wohnungen. Eingesperrt, dicht an dicht, nutzlos. Eine explosive Mischung. Was kann da auf uns zukommen?

Frauenhäuser bereiten sich vor. Seelsorge und Psychologische Beratungsstellen sind erreichbar. Jugendämter auch. Polizei muss in die Wohnungen. Das Schlimmste verhindern.

Bei den Seezeichen weiß man: sie sind dort, um gewartet zu werden. Der Anstrich unter der Wasserlinie wird aufgefrischt, damit sie widerstandfähig gegen das salzige Meerwasser werden. Der Anstrich über der Wasserlinie ebenso: damit sie dem rauhen Seewind widerstehen.

"Stay at home". Wir könnten diese Verordnung auch als eine Wartungszeit für unsere Seele annehmen. Hoch und trocken sind wir: Wir haben ein Dach über dem Kopf. Die Heizung geht. Wir haben zu Essen und zu Trinken. Das eröffnet freie Zeit, die Seele zu pflegen: Unterscheiden lernen, was wichtig ist und auf was ich auch verzichten kann. Sich auf die Suche nach Hoffnung begeben. Hoffnung, die wirklich trägt. Hoffnung, die den Blick in die Zukunft ermöglicht, so unsicher sie im Moment auch scheint.

"Stay at home" - Eine Wartungspause für unsere Seelen.

Bild und Text: Landespolizeipfarrer Kurt Grützner