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Hoffnung

Von Tugenden und Lastern II

Hoffnung

Ohne Hoffnung kann keiner leben. Was lässt einen jeden Morgen aufstehen? Ich habe mal einen gefragt: "Welches Ziel hast du im Leben?" Sagt der: "Feierabend." - "Ich meine langfristig." Der wieder: "Wochenende."

Das kann?s doch nicht sein! Warum schreibt man sich Termine für nächstes Jahr in den Kalender? Gerade jetzt in Corona-Zeiten, wo so viel abgesagt wird und man sich damit tröstet, dass man sich irgendwann auch mal wieder normal verabreden kann. Woher nimmt einer eigentlich seine Zuversicht, dass alles gut wird? Der eine klopft auf Holz oder macht sonst irgendeine abergläubische Verrenkung, damit alles glatt geht. Der andere klammert sich an seinen unverwüstlichen Optimismus, dass er sich schon irgendwie durchwurschteln kann.

Mal ehrlich: Das ist doch keine Hoffnung. Dann könnte nur der hoffen, der nicht so genau hinsieht oder genug Schwein hat oder einfach noch nicht am Ende ist. Am Ende stirbt sie dann doch. Die Hoffnung. Sagt man doch so: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Wo findet man Hoffnung, die nicht am Ende den Geist aufgibt?

Die Hoffnung im christlichen Glauben lebt nicht von dem, was man selber halten kann. Oder was vielleicht doch noch besser wird. In der Geschichte, wo Jesus in den Himmel aufgenommen wird, geht es genau um diese Hoffnung. Die verbindet sich mit einem Blick in den Himmel, der einem nicht auf den Kopf fällt, sondern das Bild dafür ist, was Jesus damals versprochen hat: "Siehe, ich bin bei euch. Alle Tage bis ans Ende der Welt." Und das lässt einen begründet hoffen, dass die aktuelle Situation, so befremdlich sie auch erscheint, nicht das Ende der Welt ist.

Foto & Text: Polizeipfarrer Dr. Armin Kistenbrügge