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As-salamu aleikum ...

oder wie die Juden kürzer sagen - Schalom: Friede sei mit Dir. In den semitischen Sprachen Arabisch und Hebräisch bedeutet der Wortstamm s-l-m beide Male "Friede", genauer "ein unversehrtes, heiles Verhältnis, das Segen und Freude bringt". Friede sei mit Dir: In unserer Sprache wünschen wir es wechselseitig beim Abendmahl vor dem Kommunionsempfang. Frieden - Wohlergehen und Segen: Moslems, Juden und Christen aller Bekenntnisse weltweit, die ihren Ursprung gemeinsam beim Stammvater Abraham suchen und sein Erbe in die Welt tragen wollen, erkennen im Frieden untereinander und mit Gott das Heil auf Erden. Daran ändert sich auch nichts, dass einige der grotesken Überzeugung sind, Frieden mit Gewalt herbeibomben zu können: Salafisten und Jihadisten aller Couleur ebenso wie ultraorthodoxe Juden und evangelikale Abtreibungsgegner oder White Supremacists aus dem amerikanischen Bible Belt.

Schon Abraham - und mit ihm seine wahren Nachfolger unserer drei Weltreligionen - wußte, dass Frieden ein Segen ist, ein Geschenk, von Gott gegeben, nicht vom Menschen zu erzwingen: Unser friedliches Zusammenleben in der Familie und mit unseren Nachbarn, eine befriedete Gesellschaft in einer friedvollen Welt. Seit Jahrhunderten ist Europa keine so lang währende Friedenszeit geschenkt worden, wie wir sie heute genießen dürfen. Die Kostbarkeit dieses Geschenk erahnen wir angesichts grausiger Kriegsbilder und unerträglicher Gewalterfahrungen aus den Kampfgebieten in aller Welt und direkt an unserer Außengrenze im Mittelmeer oder in der Ukraine. Kriege, die uns keine selbstzufriedene Ruhe lassen dürfen; Kriege, vor denen wir uns schützen, die wir aber auch mit all unserem Einfluß eindämmen müssen.

Denn so sehr der wahre Friede ein Geschenk ist, so sehr ist er ständige Aufgabe. Der auferstandene Christus verkündet und schenkt Frieden - "Friede sei mit Euch" - und beauftragt uns zugleich: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch" - nämlich den Frieden Gottes zu verkündigen und zu wirken. Frieden wirken - in der Gesinnung des Friedens! Denn Vorbild und Urmuster unserer Sendung ist die Sendung Christi durch den Vater: Niemals hat er aufgetrumpft, nie mit Gewalt seinen Willen durchsetzt, niemandem seinen Frieden aufgezwungen. Sondern stets gehorsam gegen den Willen Gottes, stets unerschütterlich demütig und voller Liebe hat er geworben um den Frieden, Verstockte ermahnt, Feinde angenähert, Verhasste ausgesöhnt, Versehrte geheilt und auf den Weg der Gerechtigkeit verwiesen: Als Lamm Gottes hat er die Versöhnung gelebt und als der Auferstandene den Frieden mit Gott erwirkt - allen, die ihn im Glauben empfangen wollen.

Darum laßt Euch versöhnen mit Gott und untereinander. Und werdet zu einem Werkzeug des Friedens in aller Welt.

Dr. Martin Schulz-Rauch