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Gesicht zeigen

Blinder Eifer schadet nur.
Blinder Eifer schadet nur.

Seit einer Woche ist der Mund- und Nasenschutz bundesweit Pflicht. Zwar variieren die Bestimmungen von Land zu Land, in Geschäften und im ÖPNV aber ist die Maske nun überall vorgeschrieben. Ihre Produktion läuft auf Hochtouren. Wo immer eine Nähmaschine steht, in der Frankfurter Oper oder in heimischen Stuben, werden Masken genäht. Auch wer ihrem Nutzen skeptisch gegenüber steht, trägt sie, sei es um Ärger zu vermeiden oder wenigstens, um seine Achtsamkeit zu bezeugen. Man "zeigt Gesicht", indem man es verbirgt. So wie physische Distanz z.Zt. ein besonderer Ausdruck von rücksichtsvoller Nähe sein kann.

Im Polizeidienst kann das Komplikationen mit sich bringen. Nach §17a VersG gilt bei öffentlichen Versammlungen ein Vermummungsverbot. Zwar sind diese in Corona-Zeiten stark eingeschränkt, aber immerhin möglich. Ähnliches gilt im Straßenverkehr, wo der Autofahrer (§23 Abs.4 S.1 StVO) sichtlich erkennbar sein muss. In Zweifelsfällen werden Einsicht und wohlwollendes Ermessen gefragt sein - "Gesicht zeigen" eben und das hoffentlich beidseitig.

Derweil bereiten sich die Kirchen wieder auf öffentliche Gottesdienste vor. Umfangreich sind die hygienischen Vorgaben: 10 Quadratmeter auf Abstand müssen jedem Besucher sicher sein, Kircheneingang und -ausgang möglichst differieren, die Maske ist Pflicht, kein Weihwasser und kein Gesang. Ob so Andacht und Gemeinschaft zustande kommen, ist zunächst einmal ungewiss.

Gewiss ist allen der Segen am Ende des Gottesdienstes, wenn es heißt: "Der Herr lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig" (Num 6,25). Mit Gottes freundlichem Angesicht, hell und offen, darf also gerechnet werden. Mögen auch wir einander das unsere nicht vorenthalten. Selbst maskiert sind die Augen doch frei und können leuchten, zumindest freundlich blicken - bisweilen sogar tief.

Foto & Text: Ltd. Polizeipfarrer Wolfgang Hinz