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Archiv: Meditationen

Nicht nur zur Fastnachtszeit ...

Frankfurter Farbenspiele zur Fassenacht
Frankfurter Farbenspiele zur Fassenacht

... maskieren Kinder sich gerne. Manche gehen als Streichholz, andere als Colaflasche; auch Kätzchen und Beduinenscheich sind beliebt: Renner freilich seit je die Klassiker Indianer oder Prinzessin - nicht zu vergessen Polizist oder Clown. Jungs schießen nun mal gerne - und Mädchen lieben es, sich fein rauszuputzen. Wie im richtigen Leben!

Auch manche Erwachsene finden Geschmack daran, mal in eine andere Haut zu schlüpfen - und auszuprobieren, wie es sich anfühlt, als Hexe, Biotonne, Uhukleister, als Zahnpastatube, Schwuchtel oder Nonne im Ornat. Geheime Wünsche, verborgene Sehnsüchte werden zur Schau getragen - oder einfach die Lust, mal aus der Reihe zu tanzen.

Doch selbst jene, die dem ganzen Rummel nichts abgewinnen können und über die tollen Tage am liebsten im Urlaub verschwinden - wer kennt das nicht: Kleider machen Leute! Man fühlt sich, wie man sich kleidet: Ob in Uniform, Schlumbeljeans oder Abendkleid - je nach Kluft, nach Hut und Anzahl der Sterne auf der Schulter spielt man eine andere Rolle.

Und es sind viele Rollen, die wir auf der Platte haben: Der häusliche Pantoffelheld, der zuverlässige Bürohengst, der unschlagbare Fußballprofi auf dem Rasen, der fröhliche Kumpel am Tresen - all das und noch viel mehr, nacheinander und gleichzeitig, den lieben langen Tag.

"Wer bin ich eigentlich wirklich?" - fragt mancher sich gelegentlich im fliegenden Wechsel. Wann und wo bin ich eigentlich am echtesten Ich? Welchem Typ soll ich nachstreben, welche Unart lieber ablegen; wer paßt zu mir, was ist absolut nicht mein Ding? Gewichtige Fragen - entscheiden sie doch über unser Wohlbefinden!

Beliebt sind Horoskope, Sterndeuter, die gerne konsultiert werden, wenn Entscheidungen anstehen. Andere suchen die Hilfe von Farb- und Typberatern oder legen sich auf die Couch.

"Wer ich bin?" Gott, der mich geschaffen hat, weiß es! Es lohnt sich, bei ihm anzuklopfen und Erkundigungen einzuholen. Gott kennt mich und führt mich zu mir selbst - im Gebet, im Gesang und im Hören auf seine Verheißung. Manchmal auf dunklen Pfaden, durch finstere Täler und gefährliche Abwege. Doch ich werde zu mir kommen! Dafür steht der gerade, der hinter all meinen Fassaden und Rollenmustern wahrhaftig weiß, wer ich bin und was aus mir werden soll.

Dr. Martin Schulz-Rauch