Home Polizeipfarramt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Archiv: Meditationen

Wertvolle Freiheit

Zum Monatsspruch Februar

Harun Kloppe - Frei
Harun Kloppe - Frei

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.(1. Korintherbrief 7, 23)

Es geht um ein Geschäft, einen deal. Gott kauft die Menschen frei. Im Gegenzug sollen die Menschen etwas für Gott tun: ihre gewonnene Freiheit schätzen und bewahren, für sie eintreten.

Paulus hat im Brief an die Gemeinde in Korinth den blühenden Sklavenhandel seiner Zeit vor Augen. Bis zu einem Viertel der Bevölkerung war im Römischen Reich versklavt, die Freiheit ein erstrebenswertes Gut. Gott hat euch zu einem hohen Preis frei gekauft? wirkt da wie ein Versprechen neuer Existenz.

Für die Freilassung der Unterdrückten, Erniedrigten und In-sich-Gefangenen, so die Vorstellung, fließt allerdings kein Geld an vermeintliche "Besitzer". Gott tauscht sich selbst gegen die Versklavten ein. Gott geht in Jesus Christus an die äußerste Grenze seiner Existenz, bereit zur Selbstaufgabe. Unwillkürlich denkt man an einen Austausch von Geiseln. Der Ausgang des Dramas ist ungewiss. In dem Moment der Hingabe, sind Gott und Mensch vereint, die `Geiseln´ innerlich verbunden.

Bei Gott ist es gut ausgegangen: dem Kreuz folgte die Auferstehung. Die Gewalt war gebunden. Menschen konnten aufatmen.

Weil Gott bereit war sein Leben für die Freiheit aufs Spiel zu setzen, haben Gläubige -nach Paulus- die Pflicht, sich nie mehr versklaven zu lassen. Gott liegt etwas an der Zukunft des Lebens und der Menschlichkeit. Zählen Menschen auf seine Bemühung, sie immer wieder in die Freiheit zu führen, dürfen sie sich weder knechten lassen noch menschenverachtenden Maßstäben unterwerfen. Sie sind sich ihrer geschenkten Freiheit bewusst: Gott hat mich befreit, ich bin frei! Erstmal muss ich gar nichts!

Was das für den Dienst heißt? "Ich bin frei; erstmal bleibe ich mir und meinen Überzeugungen treu - unabhängig von dem, was Vorgesetzte oder Nachgeordnete erwarten!" Innere Freiheit verlangt manchmal nach einer äußeren! Unangenehmes vorzubringen, braucht Mut. Doch die christliche Freiheit ist es wert.

Foto&Text: Polizeipfarrerin Barbara Görich-Reinel