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Archiv: Meditationen

"Müde bin ich,...

Zum Monatsspruch Juli

Der erschöpfte Elia unterm Ginster - Teilansicht aus: Physika sacra, Johann Jakob Scheuchzer, 17. Jhd. - Foto: W.Hinz
Der erschöpfte Elia unterm Ginster - Teilansicht aus: Physika sacra, Johann Jakob Scheuchzer, 17. Jhd. - Foto: W.Hinz

... geh zur Ruh, schließe meine Augen zu." So beginnt der Klassiker unter den Abendgebeten, mit dem Generationen von Kindern ihren Tag beschlossen. Nach einem ereignisreichen Tag darf man wahrlich müde sein und schlafen.

Mit zunehmendem Alter setzt die Müdigkeit auch früher ein. Die Kräfte lassen nach und/oder das Tagespensum stresst. Sei es, dass es einfach zu viel geworden ist oder aber, vertrackter, einen nicht mehr ausfüllt, Erfolg und Sinnhaftigkeit nicht mehr dafür stehen. Gerade im Polizeiberuf lauert im alltäglichen Geschäft die Gefahr, an der Vergeblichkeit des eigenen Engagements zu verzweifeln. Wenn z.B. in der Klein- und Drogenkriminalität einem immer wieder die selben Gesichter begegnen oder 30.000 IP-Adressen, dazu Terabyte grässlichsten Fotomaterials zu sichten sind, um Kinderschänder dingfest zu machen. Dies und anderes mehr kann zermürben: "Ach, ich bin des Treibens müde!" (Goethe). Wenn es ganz schlimm kommt: tod- oder sterbensmüde. Burn-out ist heute Sammelbegriff dafür, wenn gar nichts mehr geht.

In der Bibel macht der Prophet Elia diese Erfahrung. Gottes Aufträge überfordern ihn, führen s.E. zu nichts, machen ihn fertig. Unter einem Ginsterstrauch klappt er zusammen und will nicht mehr - endgültig. Gott lässt ihn erst einmal schlafen. Dann aber schickt er ihm einen Engel: "Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir." (1.Könige 19,7 - Monatsspruch Juli)

Ausgeruht und gestärkt, nach einer 40tägigen Auszeit und einer Gottesbegegnung in aller Stille hat Elia die Kraft weiterzumachen. Durchaus erfolgreich, wie man liest, inklusive einer höchst eindrücklichen Verabschiedung (2.Könige 2).

Ruhe, Essen und Trinken, Ermunterung und Bewegung, qualifizierte Anerkennung und Gottvertrauen vermögen auch heute Lebensgeister wieder zu wecken.

Ltd. Polizeipfarrer Wolfgang Hinz