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Archiv: Meditationen

"Dein Heilger Geist..."

Pfingstbetrachtung

Schiebetier aus Portugal, Einheitsmännchen O. Hörl
Schiebetier aus Portugal, Einheitsmännchen O. Hörl

"Schiebetier" nennt sich jene Gehhilfe für Kinder, die das Laufenlernen vergnüglicher gestalten soll. Einem watschelnden Pinguin oder einem Vogel, der mit den Flügeln schlagen kann, folgen die Kleinen gern - oft williger als ihren Erziehungsberechtigten.

In unseren angespannten Zeiten blickt manch Großer mit Wehmut auf solche Szenen heiterer Gefolgschaft. Unsere Gesellschaft ist in Bewegung geraten und wer da wem wohin folgt, hat längst nichts Spielerisches mehr. Schon gar nicht für die Polizei. Ob Wähler oder Gewählte, in den drängenden Fragen zu Europa, Flüchtlingsströmen, Handelsabkommen, Datenschutz und Sicherheit wirken viele orientierungslos. Und die, die behaupten, sie wüssten allzu genau, wo es lang gehen muss, verstärken noch dies mulmige Gefühl.

Die Christenheit geht auf Pfingsten zu, nach Weihnachten und Ostern der dritte hohe Feiertag im Kirchenjahr, zugleich aber wohl der am wenigsten bekannte. Dabei geht es gerade bei diesem Fest um Aufbruch, Wende, Initiative. Die Jünger Jesu erleben das Ende ihrer Depression und Trauer als gottgewirkt, als Erfahrung seines Heiligen Geistes. Ohne ihn wäre es nicht weiter gegangen mit dem Christenglauben und ohne ihn geht es nicht.

Schon in den Advents- und Weihnachtsliedern wird er besungen und in seiner Wirkung beschrieben:

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"Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit."(Ev. Gesangbuch 1,Vers 5)

Führung, Leitung, Orientierung wird ihm zugetraut - bis ans Lebensende, inklusive aller Zwischenstationen. Eine Kraft von Gott her, die das Innerste erfasst, mächtig, aber ggf. auch flüchtig. Der Wind wurde bemüht, um ihn zu beschreiben, die Taube als Wesen der Lüfte zu seinem Symbol bestimmt. Bei einem Schiebetier in voller Aktion kann man kaum mehr unterscheiden, ob es zieht oder geschoben wird. Der Heilige Geist zieht und schiebt. Er hält beweglich, damit auch kritikfähig und überdies zuversichtlich bis zum Schluss.

Text und Foto: Ltd.Polizeipfarrer Wolfgang Hinz