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Archiv: Meditationen

Alle Jahre wieder ...

Geburt Jesu mit Anbetung Mariae, Augsburg 1410
Geburt Jesu mit Anbetung Mariae, Augsburg 1410

... dieselbe Vorfreude - derselbe Streß! Nur die Geschenke wechseln: Es soll ja eine Überraschung sein! Wenn nicht wieder der obligate Schlips für den Vater fällig ist, weil der ja leider alles schon hat. Mühsam das Aussuchen - lästig die Rennerei - erschreckend die Kosten, bis man alles beisammen hat: Doch groß die Belohung, wenn man das Richtige getroffen hat! Mag man es auch kulturkritisch beklagen, daß wir Konsumgesellschafter Liebe gerne mit Geschenken ausdrücken: Schön sind sie doch, die bunten Päckchenberge unterm Baum!

Ein schönes Fest, wenn die ganze Familie sich um den Weihnachtsbaum versammelt - Zeit zum Reden und Geniessen der Kinder, zum üppigen Essen und besinnlichen Feiern. Und zugleich ein beängstigendes Fest, weil hochfliegende Erwartungen und ernüchternde Realtität oft bitter aneinander sich reiben. Da mag manchem der Dienst über die Feiertage wie eine Erlösung erscheinen - als erlaubte Flucht aus häuslichem Beziehungsstreß - während andere unter der Pflicht leiden, die sie von ihrem Ruheort daheim fernhält.

Weihnachten ist also eine Zeit starker Emotionen: Feiern wir an diesem Fest doch unsere Familie und unsere Geborgenheit in ihr. Sofern wir nicht gezwungen sind, schmerzhaft unter unserer Einsamkeit zu leiden, die wir an diesem Tag der Intimität besonders empfindlich spüren.

An Weihnachten - so die Botschaft der Christen - feiern wir vor allem, daß Gott in die Welt gekommen ist: In ihm, dessen geliebte Kinder wir sind, dürfen wir spüren, daß wir alle zu einer großen Familie gehören, in der wir geborgen sind. Und zugleich sammelt Christus, der nach seiner Geburt selbst "keinen Raum in der Herberge" fand, alle ein, die einsam es nach Anerkennung und Liebe verlangt, um sie zu trösten und zu bergen.

Dr. Martin Schulz-Rauch