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Archiv: Meditationen

"Seht, welch ein Mensch!"

Ostergedanken

Alte Brücke, Frankfurt am Main - WM 2006
Alte Brücke, Frankfurt am Main - WM 2006

Zu den Frankfurter Wahrzeichen gehört der "Brickegickel", das mit einem Hahn bekrönte schmiedeeiserne Kreuz auf der Alten Brücke. Seit dem frühen Mittelalter ziert ein solches diese wichtige Mainüberquerung als Schutz- und Segenszeichen. Den Hollandfans während der Fußball-WM 2006 diente der Gickel vor allem als Logenplatz beim public viewing in der Main-Arena. Wie zufällig verweist der überdimensionale Plastikdaumen auf den Gekreuzigten.

In der Passions- und Osterzeit sieht das ein christlich geschultes Auge anders. "Seht, welch ein Mensch!" ruft Pontius Pilatus nach Jesu Geißelung und Verspottung der Menge zu (Joh 19,5), als ahnte er, dass es mit diesem Opfer von Religions- und Staatsräson mehr auf sich hat. Am Ostermorgen wird offenbar wie Gott selbst sich mit Leben und Tod dieses einen Menschen identifiziert und so seine Haltung zur Welt ein für allemal dokumentiert - als Gott des Lebens und nicht des Todes.

Der nach oben gerichtete Daumen soll einst für römische Gladiatoren das Zeichen der Begnadigung, des "Weiterlebendürfens" gewesen sein. Heute signalisiert er Bestätigung und Ermutigung. Wie auch immer, diese Geste macht auch unter dem Kreuz Sinn:

"Ich lebe und ihr sollt auch leben", sagt Christus Joh 14,9.

Frohe Ostern wünscht Polizeipfarrer Wolfgang Hinz