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Archiv: Meditationen

Tief greifende Maßnahme

Monatspruch Oktober

Graffiti an der großen Mauer in Bethlehem
Graffiti an der großen Mauer in Bethlehem

Deutschland feiert den 20. Jahrestag des Mauerfalls, Israel baut seit 2 Jahren an einer Trennungsmauer zwischen Jerusalem und den palästinensischen Gebieten der Westbank - doppelt so hoch wie einst in Berlin. Ultima Ratio einer Politik, die ihre Gebietsansprüche wie die Sicherheit der Bevölkerung nicht mehr anders zu behaupten weiß. Gewalttaten, Anschläge und Selbstmordattentate in Israel sind seitdem merklich zurückgegangen. Die Folgen für die Bewohner der Westbank sind aber verheerend, ebenso für das internationale Renommee Israels .

So wurde die palästinensische Seite der Mauer schon bald - wie einst in Berlin - zu einem Tummelplatz für Sprayer, die ihren Zorn, ihre Verzweiflung und ihre Trauer in phantasiereichen Graffitis zum Ausdruck bringen. Eines davon greift die Geschichte von David und Goliath auf, jenem Hirtenknaben, der mit seiner Schleuder den hochgerüsteten Widersacher zu Fall bringt. Für Israel ein Gründungsmythos in seinem Selbstbehauptungskampf. Mit wenigen Strichen macht der unbekannte Sprayer deutlich, dass er die jüdische Rollenzuschreibung nicht teilt. Wenn aus David Goliath wird, wendet sich die alte Geschichte gegen ihn selbst. Militärische Stärke allein bewirkt kein friedliches Zusammenleben. Das demonstriert diese Mauer mit ihren Bildern überdeutlich. Für einen dauerhaften Frieden bedürfte es beidseitig ganz anderer Maßnahmen.

Eine benennt im Monatsspruch Oktober Gott selbst, eine wahrlich tief greifende: "Ich schenke ihnen ein anderes Herz und schenke ihnen einen neuen Geist. Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz aus Fleisch." (Hesekiel 11,19)

Tatsächlich hat man im Nahostkonflikt den Eindruck, dass nur ein radikales Umdenken aller Beteiligten noch eine Lösung bringen kann. Und zugleich beschleicht einen das bedrückende Gefühl, wie irrealistisch diese Hoffung ist. Es käme wohl einem Wunder gleich. Nicht ausgeschlossen für einen Realpolitiker wie Ben Gurion, den ersten Ministerpräsidenten Israels:

"Wer in Israel nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."

Wolfgang Hinz