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Archiv: Meditationen

Glaube, eine feste Zuversicht

Registrierte Bitten, Saigon
Registrierte Bitten, Saigon

Glauben ist ein vieldeutiger Begriff. Zwischen "nicht wissen" - "sich auf etwas verlassen" - "jemandem vertrauen" kann das Wort vieles bedeuten. Als kirchlich geprägter Begriff manch einem fremd geworden, kommt dennoch keiner ohne Glauben aus - sei es auch nur den an sich selbst. Selbstvertrauen, aber auch der Glaube an die Sache, für die man einsteht, ist lebenswichtig. Sinnverlust an dieser Stelle ist ein Risikofaktor und kann traumatisieren. Wer nicht mehr weiß, warum er sich z.B. beruflich besonderen Gefahren aussetzt, ist nachweislich im Ernstfall schlimmer dran als einer mit Überzeugung. Christliche Erfahrung ist, das der Glaube an Gott auch den Glauben an sich selbst stärkt und an das Leben.

Man kann den Glauben gewinnen, man kann ihn verlieren. Deswegen bedarf er der Pflege und steter Vergewisserung. Eine Reisegruppe des Polizeipfarramts konnte sich unlängst in Vietnam davon überzeugen, dass dies auch anderswo so ist. In einem taoistischen Tempel in Saigon erwirbt man Gebetszettel, die - mit entsprechenden Eintragungen an einen spiralförmigen Duftkegel geheftet - hoch unter das Tempeldach gehängt werden. So lange der Kegel brennt, bleiben sie dort, derweil die Weihrauchschwaden Götter, Gläubige und Ungläubige erfreuen. Jeder Zettel ist registriert durch eine mehrstellige Nummer. Das vermittelt dem Spender den Eindruck von Verlässlichkeit und stärkt ihn in der Zuversicht, dass seine Bitten auch erhört werden.

Der Monatsspruch Mai erinnert daran, dass Glaube bei allen äußerlichen Hilfestellungen und Anhaltspunkten letztlich ein inneres Geschehen ist, Vertrauenssache:

"Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht." (Hebr 11,1)

Wolfgang Hinz