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Archiv: Meditationen

"Wachet!"

Zum Monatsspruch März

Konkurrierende Wachsamkeiten. Mitte Februar versammelten sich auf dem Frankfurter Paulsplatz noch 3500 wachsame  Städter gegen Rassismus und Rechtsradikalismus. Anfang März wird vor dem Besuch von Großveranstaltungen gewarnt. Das Coronavirus  grassiert und erfordert besondere Vorsichten, Wachsamkeiten anderer Art.
Konkurrierende Wachsamkeiten. Mitte Februar versammelten sich auf dem Frankfurter Paulsplatz noch 3500 wachsame Städter gegen Rassismus und Rechtsradikalismus. Anfang März wird vor dem Besuch von Großveranstaltungen gewarnt. Das Coronavirus grassiert und erfordert besondere Vorsichten, Wachsamkeiten anderer Art.

Jesus Christus spricht: "Wachet!" (Markus 13,37)

Der Monatsspruch für März 2020 scheint in die Zeit zu passen - geradezu wie die Faust aufs Auge. Eine erhöhte Wachsamkeit wird allenthalben angemahnt und eingefordert.

Das Coronavirus ist auf dem Vormarsch und sorgt weltweit für Unruhe, ja Ängste. Politiker, Behörden, Mediziner sind alarmiert, warnen zwar vor Panik, raten aber zu allerhand Vorkehrungen und zur Vorsicht im Umgang mit anderen, womöglich Infizierten. Atemmasken sind ausverkauft oder werden zu horrenden Preisen gehandelt bei fragwürdigem Nutzen. Handelswegen drohen Störungen, die Wirtschaft beginnt schon zu stottern.

Vor wenigen Tagen erst haben die blutigen Anschläge von Hanau bei vielen zu einem bösen Erwachen geführt. Rechtsradikalismus und Rassismus werden als wirkliche Gefahren begriffen, denen jeder und jede Widerstand leisten und mit Wachsamkeit begegnen sollten.

Seit vergangenem Jahr sorgt die vornehmlich von der Jugend initiierte Bewegung "Fridays for future" dafür, dass die Gefahren des Klimawandels ernster genommen werden. Sie fordert ein Umdenken auf allen Ebenen und mehr Achtsamkeit von uns allen.Seit Jahren schon werden wir vor allzu sorglosem Umgang mit dem Internet und mit Passwörtern gewarnt. Senioren werden aufgefordert, sich nicht vertrauensselig an der Haustür oder am Telefon von vermeintlichen Polizisten zu irgendwelchen Aktionen drängen zu lassen, vorzugsweise finanzieller Art.

Diese Alarmierungsliste ließe sich beliebig fortsetzen. Die programmatische Zeile der "Ersten Allgemeinen Verunsicherung" - eine Austro-Band der 80er Jahre - scheint ihren einst humoristischen Unterton endgültig eingebüßt zu haben: "Das Böse ist immer und überall."

Bei dieser Ausgangslage wird die diesjährige Fastenaktion "Sieben Wochen ohne Pessimismus" zu einer Extra-Herausforderung, womöglich aber auch hilfreichen Gegenmaßnahme - der link dazu findet sich am Ende dieses Beitrags. Von unseren Verantwortlichkeiten kann auch sie uns nicht entbinden, ebenso wenig von der geschärften Aufmerksamkeit, die diese uns abverlangen. Daran erinnert auch das strenge "Wachet!" Jesu Christi angesichts der Endlichkeit des Lebens und der Welt (Markus 13).

Was aber, wenn man vor lauter "Wachet!" nicht mehr zur Ruhe kommt, buchstäblich nicht mehr schlafen kann. Überforderung kann lähmen, Schlaflosigkeit handlungsunfähig machen, zumal wenn das in der Einsicht gipfelt: "Ich muss die Welt retten". Nicht von ungefähr wird hier vom "Christuskomplex" gesprochen. Ein Abendlied (EG 487), entstanden unter den Schrecken des 2. Weltkriegs, kann hier die Dinge und einen selbst "heilsam relativieren", existentiell entspannen und so einstimmen auf einen neuen Tag in getroster Verantwortung:

1. Abend ward, bald kommt die Nacht, schlafen geht die Welt;

denn sie weiß, es ist die Wacht über ihr bestellt.

2. Einer wacht und trägt allein ihre Müh und Plag,

der lässt keinen einsam sein, weder Nacht noch Tag.

3. Jesu Christ, mein Hort und Halt, dein gedenk ich nun,

tu mit Bitten dir Gewalt: Bleib bei meinem Ruhn.

4. Wenn dein Aug ob meinem wacht, wenn dein Trost mir frommt,

weiß ich, dass auf gute Nacht guter Morgen kommt. (Text: Rudolf Alexander Schröder 1942)

Aktion: 7 Wochen ohne Pessimismus

Foto&Text: Wolfgang Hinz