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Archiv: Meditationen

"Er tat es einfach."

Polizeimeister Kaspar

Tschako für Wachtmeister der Schutzpolizei (1935-1945) Foto: DHM
Tschako für Wachtmeister der Schutzpolizei (1935-1945) Foto: DHM

Seit dem 1. April widmet sich eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin dem wohl dunkelsten Kapitel der Polizei in unserem Land: Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat.

Sie zeigt, "dass nicht nur die Gestapo, sondern auch die Kriminalpolizei und die uniformierte Polizei die politischen und weltanschaulichen Gegner des NS-Staats verfolgten - zunächst im Innern des Deutschen Reiches und ab Kriegsbeginn 1939 auch in den von der Wehrmacht eroberten Gebieten. Alle Sparten der Polizei waren am nationalsozialistischen Völkermord beteiligt..." (so der Flyer, den das Museum und die Deutsche Hochschule der Polizei gemeinsam verantworten.)

Vor diesem Hintergrund erinnert man sich in Frankfurt gerne an Polizeimeister Kaspar, nach dem seit 10 Jahren eine Straße am Polizeipräsidium benannt ist. Valentin Senger berichtet in seinem Buch "Kaiserhofstr. 12", wie Otto Kaspar bereits 1933 für die jüdische Familie Senger die Meldekartei manipulierte. Den Vermerk "mosaisch" änderte er ab in "religionslos" und bewahrte sie so vor der Deportation in ein Vernichtungslager. Das war Urkundenfälschung im Amt. Wäre sie ruchbar geworden, hätten Kaspar wohl selbst schwerwiegende Konsequenzen erwartet. "Man könnte mit Recht fragen," schreibt Valentin Senger, "was den Polizeimeister Kaspar veranlasst hat, eine so riskante Korrektur an unserer Einwohnermeldekarte vorzunehmen. Ich weiß es, bei Gott, nicht. Er tat es einfach."

So "einfach" war es also menschlich zu handeln!?! Das rückblickende Staunen eines Überlebenden berührt und beschämt uns Heutige da gleichermaßen. Auch in deutschen Amtsstuben gab es also Wege - krumme ggf. - das Rechte zu tun. "Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist." (Micha 6,8). Aber macht nicht gerade dies das geschehene Unrecht noch ungeheuerlicher?

Leitender Polizeipfarrer Wolfgang Hinz