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Archiv: Meditationen

Ein sanftes Ruhekissen ? - Einsichten auf dem Weg nach Peja

Dem Busfahrer über die Schulter geblickt - Markttag in Peja/Kosovo.
Dem Busfahrer über die Schulter geblickt - Markttag in Peja/Kosovo.

Vier Tage unterwegs im Kosovo. Mit dem Kriseninterventionsteam Hessen besuche ich Polizeikräfte vor Ort um mich über ihre Aufgaben und Einsatzbedingungen zu informieren.

In einem Bus von Pristina nach Peja spricht mich der einheimische "Schaffner" an. Mein Englisch verrät den Deutschen. Er selbst hat sechs Jahre im Rhein-Main-Gebiet gelebt, spricht ganz passabel Deutsch und kommt ins Erzählen. Zunächst geduldet hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, am Ende fand er sogar etwas Dauerhaftes bei einer Fechenheimer Spedition. Eine gute Zeit, doch irgendwann war Schluss. Er musste zurück und die hohe Arbeitslosigkeit im Kosovo macht ihm nun schwer zu schaffen. Von der Busbegleitung allein lässt sich nicht leben. Und sonst keine Möglichkeiten? "Doch schon ..." Ich schaue ihn fragend an. "Dunkle Geschäfte," sagt er. "Aber das mache ich nicht. Ich will nicht jede Nacht schlafen müssen wie ein Hase." Demonstrativ schreckt er zweimal vor mir hoch.

Wie heißt es doch so leicht hin ? "Ein reines Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen." Aber auch das kann mitunter seinen Preis haben. Ich zolle ihm Respekt, etwas Trinkgeld und ahne dabei, was er vor allem braucht: Zustände, die es einem Rechtschaffenden erlauben zu bleiben, was er ist - ohne Not. UNMiK, KFOR und auch die Hessische Polizei arbeiten dran.

Gutes Gelingen !

Polizeipfarrer Wolfgang Hinz