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Archiv: Meditationen

"Wenn ihr in ein Haus kommt..."

Monatsspruch Februar

"Wenn ihr in ein Haus kommt..."

Die "eigenen vier Wände" sind ein sensibler Bereich. Sie sorgen mit dafür, dass wir uns sicher und geborgen fühlen in einer ungewissen Welt. Nicht von ungefähr schützt das Grundgesetz die Unverletzlichkeit der Wohnung mit einem umfangreichen Artikel (13). Nach Wohnungseinbrüchen beklagen Betroffene oft weniger den materiellen Verlust als den ihres subjektiven Sicherheitsgefühls. Die selbstverständliche Gewissheit "My home is my Castle" ist mit einem Mal erschüttert.

Wenn die Polizei vor der Haustür steht und klingelt, wird es manchem mulmig. Welchen unangenehmen Fragen oder Nachrichten hat man gewärtig zu sein? Von gewaltsamen Türöffnungen in Notfällen oder bei Gefahr im Verzug ganz zu schweigen. Auch die Polizei weiß um solche Effekte ihres Auftretens. Durch Freundlichkeit und Ruhe lässt sich manche Schrecksekunde mildern, an ihrem Auftrag oder an der Hiobsbotschaft, die es ggf. zu übermitteln gilt, ändert das wenig. Man muss gemeinsam durch. Vor diesem Hintergrund erscheint der Monatsspruch für Februar fast wie ein frommer Wunsch - fromm, aber unrealistisch:

"Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus." - Lukas 10,5

Der Frieden des Hauses ist ja u.U. gerade dahin wegen der unerwarteten Besucher. Hier hilft es, wenn sich (nach Möglichkeit) beide Seiten klar machen: Nicht die Polizei hat die Lage zu verantworteten, die es zu bewältigen gilt. Im Gegenteil. Sie tritt an, um diese zu klären, dabei zu helfen, sich ihr zu stellen. Mag der Friedenswunsch als Auftakt auch wenig passen oder ungehört verhallen, viel ist gewonnen, wenn er zum Abschied glaubhaft rüber kommt - als Ausdruck der eigenen Intention und als Ermutigung für die, die zurück bleiben.

Ltd.Polizeipfarrer Wolfgang Hinz