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Archiv: Meditationen

Kopf hoch!

Kopf hoch!

"Lasst den Kopf nicht hängen, Kinder seid nicht dumm..." - so beginnt ein altes Stimmungslied und liegt damit ganz im Trend. Schlecht drauf sein ist out, "think positiv" ist die Devise. Auch wenn´s schwer fällt, man sollte zumindest den Eindruck erwecken, man täte es. Doch wie´s da drin aussieht, geht keinen was an !?

"Positiv self-talk" ist ein scheckkartengroßer Merkzettel überschrieben, den amerikanische Polizisten mit sich führen. 13 markige Ich-Sätze leiten dazu an, sich der eigenen Stärken und Möglichkeiten zu vergewissern: "I will, I have, I know, I can..." Solch formelhafte, autosuggestive Vorsatzbildungen können hilfreich sein, wenn man gefährliche Situationen zu bestehen hat, lähmende Ängste wegdrücken muss um zu funktionieren. Als Dauerlösung oder gar -haltung, taugen sie nicht. Irgendwann muss man sich schwierigen Situationen stellen mit allen Begleiterscheinungen, wenn der Tunnel nicht zur seelischen Dauerbleibe werden soll. Alleine kann das schwer werden.

"Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe ?" Psalm 121 markiert präzise die Wendung, die einen angesichts von Problembergen weiter bringt. Aufblicken und Ausschau halten nach Unterstützung. Ein verständiges Gegenüber wirkt Wunder. "Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat."

Darum: Ein ermunterndes "Kopf hoch!" verpflichtet. Als bloßer Appell zur Selbstbeherrschung und Allgemeinverträglichkeit wirft es den Betroffenen nur auf sich selbst zurück. Wer einen anderen dazu anhält seinen Kopf zu heben, sollte redlicherweise dafür Sorge tragen, dass es für ihn auch was zu sehen gibt - wenigstens ein gesprächsbereites Gegenüber.

Wolfgang Hinz