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Archiv: Meditationen

Vom Löwen, der die Angst verjagt hat.

Bundeskunsthalle Bonn
Bundeskunsthalle Bonn

"Gerettete Schätze" präsentiert z. Zt. die Bundeskunsthalle in Bonn, archäologische Funde aus Afghanistan. Dabei zieht vor allem das "baktrische Gold" die Besucher magisch an, Grabbeigaben wohlhabender Nomaden aus dem frühen 1. Jahrhundert. Diese Kostbarkeiten von großer Kunstfertigkeit entgingen glücklicherweise den Plünderungen des Nationalmuseums in Kabul. Auf ihrer Reise um die Welt zeugen sie von einem Land, wie es uns in der täglichen Krisenberichterstattung nicht begegnet, von Afghanistan als einer alten Kultur an der Seidenstraße. Die prächtigen Schmuckstücke verbinden auf eindrückliche Weise griechische, asiatische und indische Einflüsse, allesamt Ergebnis einer fruchtbaren Begegnung von Ost und West.

Unter den Beigaben eines Männergrabes mit kunstvollen Dolchen, Schuhschnallen und prächtigem Gürtel übersieht man leicht eine unscheinbare Medaille. Auf ca.12 mm Durchmesser zeigt sie einen grazilen Löwen mit erhobener Tatze, dazu die altindische Umschrift: Der Löwe, der die Angst verjagt hat. Dem Katalog ist zu entnehmen, der Löwe sei im Buddhismus ein Symbol moralischer Kraft und Furchtlosigkeit. Sein Brüllen wecke als "Ruf des Dharma" das menschliche Bewusstsein.

Dieser Weckruf hat auch 2000 Jahre später in Afghanistan seine bedrückende Aktualität. Die gegenwärtige Bedrohungslage fordert alle Widerstandskräfte der Bevölkerung und ihrer Unterstützer. Auch Glaubensstärke, wie sie die kleine Medallie zum Ausdruck bringt: dass die gegenwärtigen Ängste hoffentlich bald ihre Zeit gehabt haben. Das Bild vom Löwen, der sie verjagt, ist auch der biblischen Tradition, Juden wie Christen, vertraut.

Land und Leuten ist zu wünschen, dass auch für sie in absehbarer Zeit gilt, was angesichts ihrer Schätze berührt: Gerettet.

Ltd. Polizeipfarrer Wolfgang Hinz