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Archiv: Meditationen

Wunderbar gemacht

Zum Monatsspruch August

"Die Würde des Menschen ist unantastbar"    - R.W.Design, Kempen/Niederrhein.
"Die Würde des Menschen ist unantastbar"
- R.W.Design, Kempen/Niederrhein.

"Mundschutz immer unbeliebter" titelt die Sonntagszeitung. Die Bereitschaft der Bundesbürger, in der Öffentlichkeit Maske zu tragen, lässt spürbar nach. Sommerliche Temperaturen, Pandemiegewöhnung und -müdigkeit, Nachlässigkeiten, aber auch Überdruss werden dafür verantwortlich gemacht. In Berlin und Stuttgart gehen Tausende auf die Straße und reklamieren für sich das Grundgesetz, da Masken und Abstandsregeln ihre Freiheit, Würde, Menschenrechte gefährdeten. Ihre Voten via Bildschirm - so erregt, wie wirr - lassen auch dem fernen Zuschauer noch die Haare zu Berge stehen, blind überdies für rechtsradikale Trittbrettfahrer und steigende Infektionszahlen.

Nach Monaten der Aufklärung dürfte nun auch der/die Letzte begriffen haben, dass ein einfacher Mundschutz nicht mich, sondern mein Gegenüber schützt. Die Aerosole des Trägers samt möglichen Erregern hält die Maske zurück und schützt damit andere. Und diese wiederum mich, wenn sie sich ebenso verhalten. So geht Rücksicht auf Gegenseitigkeit! Wie die eigene Freiheit nicht ohne die der anderen zu denken und zu haben ist (Rosa Luxemburg), so wenig Integrität und Würde.

Die "zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt"(GG 1,1). Aber jeder/jede möge bedenken, was Ordnungshütern zugemutet wird, wenn sie so simple Dinge wie Maskenpflicht und Abstand durchsetzen müssen - unter Gefahr der Selbstinfektion. "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Hinter meiner Maske entspreche ich selbst diesem Grundsatz als verantwortungsbewußter Mitmensch.

Der Bibelspruch für den Monat August stammt aus den Psalmen (139,14) und beleuchtet das Ganze noch einmal von anderer Seite: "Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele."

Diese Freude über das eigene Dasein ermuntert unprätentiös, vor Gott einmal darüber nachzudenken, was denn so wunderbar an einem selbst ist. Etwas Erfreuliches wird sich schon finden, das vielleicht auch ein bisschen stolz macht und dankbar. Für den Beter in den Psalmen weitet sich der Blick noch. Nicht nur er ist wunderbar gemacht, vieles um ihn herum ebenso. Andere Werke Gottes geben ihm Anlass zu Freude und Dank. Er selbst sieht sich eingebettet in einen wunderbaren Zusammenhang, der ihn berührt, die Seele tangiert. Diesen pfleglich und rücksichtsvoll zu behandeln, versteht sich dann eigentlich von selbst.

"Wunderbar gemacht" bewahrheitet sich so in doppeltem Sinne.

Foto&Text: Ltd.Polizeipfarrer Wolfgang Hinz