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Archiv: Meditationen

Jahrhundertsommer

Foto: W.Hinz
Foto: W.Hinz

Wie geht es Ihnen in diesem Jahrhundertsommer? Genießen Sie die Wärme und die lauen Sommerabende - endlich die Strände Italiens und Mallorcas auf der eigenen Terrasse? Oder leiden Sie unter der Hitze erbärmlich - in Ihrem Büro nach Süden hin? Ersehnen Sie endlich Regen für Ihren Garten? Oder kosten Sie die Badesaison bis zum Letzten aus?

Der letzte dieser Jahrhundertsommer liegt gerade mal fünfzehn Jahre zurück. Und dazwischen - gefühlt - fast immer verregnete Julimonate. Wir wissen - die Wetterausschläge werden immer extremer! Späte Fröste, heftiger Hagel, wilde Fluten zerstören ganze Ernten genau wie die monatelange Dürre, die Niedersachsen seit April heimsucht. Unsere Vegetation wird sich mittelfristig verändern: In Rheinhessen wird Bordeauxwein produziert und den Riesling importieren wir künftig aus Sylt! Die Klimaveränderung ist menschengemacht - aber menschlich nicht mehr beherrschbar. Wir sind dem Wetter buchstäblich ausgeliefert.

Bei Licht betrachtet waren und sind alle Menschen dem Wetter ausgeliefert. Überschwemmung und Dürre, Hagelschlag und Donnerwetter, Waldbrände und Heuschreckenfraß - klassische Plagen der Menschheit durch die Jahrtausende über alle Kontinente hinweg. Uns aber kränken sie besonders! Sind wir es doch gewohnt, daß kein Schmerz, kein Leid, keine Scheitern dem Fortschritt nicht irgendwann zum Opfer fällt. Mittlerweile beherrschen wir mit Technik und Medizin (fast) alles, bezwingen mit Dünger und Genmanipulation auch noch den dürresten Boden und den abgelegensten Schädling. Ausgeliefert sein: Dieses hässliche Gefühl sollte der Fortschritt in Sieben-Meilen-Stiefeln im 21. Jahrhundert endgültig bezwungen haben!

Klüger sind da allemal die Beter! Sie beten, weil sie wissen: All uns Mühen bleibt umsonst und führt ins Leere - wenn Gott nicht für uns sorgt. All unser Sorgen ist vergeblich, wenn Gott nicht den Segen gibt. "Es wartet alles auf Dich, daß Du ihnen Speise gebest. Wenn Du ihnen gibst, so sammeln sie - nimmst Du weg Deinen Odem, so vergehen sie. Du sendest aus Deinen Odem und machst neu das Antlitz der Erde". Und die Antwort der Beter auf diese Erkenntnis? "Ich will dem Herrn singen mein Leben lang und meinen Gott loben, so lange ich bin" (Psalm 104).

Dr. Martin Schulz-Rauch