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Archiv: Meditationen

Des Morgens früh ...

Osterbetrachtung

Der Main in Frankfurt am Morgen
Der Main in Frankfurt am Morgen

"Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug." (Georg Wilhelm Friedrich Hegel)

In Zeiten von Corona wird uns viel Geduld abverlangt. Nicht nur im Blick auf Kontaktsperren und Ausgehbeschränkungen. Auch Tests, Masken, wirksame Medikamente und Impfstoffe lassen auf sich warten. Der Virus und die Lage, die er verursacht, sind so neu, dass Abhilfe und Lösungen Zeit brauchen. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Ziemlich ungewohnt für uns. Erwarten wir doch, dass unseren Wünschen und Bestellungen zügig entsprochen wird. Entschleunigung schön und gut, aber so ?

Was Hegel einst zum Philosophieren feststellte, scheint auch für unsere Einsicht in die jetzige Situation zu gelten: wirkliches Verstehen ist erst mit Abstand, erst rückblickend möglich. Ob Corona unser Leben und Denken nachhaltig verändert, wird sich noch zeigen. Die Eule der Minerva, das Begleittier der Göttin der Weisheit und Klugheit, beginnt ihren Flug eben erst in den Abendstunden.

Das Osterereignis, dem sich das Christentum verdankt, ist in den frühen Morgenstunden verankert. Da entdecken drei Frauen, dass der verstorbene Jesus nicht mehr dort ist, wo sie ihn vermuten (Markus 16). "Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!" lautet die Botschaft, die nun ihren Lauf nimmt. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Ein Impuls, der bis heute ermutigt und Wirkung zeigt. Geistgewirkt, wie die ersten Christen meinten. Und sie ordneten diesem Geist, dem Heiligen Geist, die Taube zu - einen frühen Vogel, der das Licht braucht und sucht.

Was dieser Geist letztendlich bewirkt, lässt sich zwar auch oft erst rückblickend sagen - aufs eigene Leben gesehen und auf die Gemeinschaft hin, in der er wirkt. Spüren und erfahren aber, lässt er sich im hier und jetzt, gerade dann, wenn die Zeiten schwieriger werden. Möge uns das Licht und der Geist des Ostermorgens 2020 über diese Zeit helfen, uns inspirieren und das Warten erträglicher machen.

Foto&Text: Wolfgang Hinz