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Archiv: Meditationen

Dienst ist Dienst...

Zum Monatsspruch März

Dienst ist Dienst...

...und Schnaps ist Schnaps.

Dieser Grundsatz, so knapp wie geläufig, zielt nicht in erster Linie auf ein Alkoholverbot am Arbeitsplatz - in beamteten Verhältnissen etwa, wo "Dienst" noch ein Begriff ist. Er insistiert vielmehr auf einer strikten Trennung von Arbeit und Freizeit, zwischen dienstlich und privat. Eine Unterscheidung, die allen Seiten zuträglich sein soll, der Konzentration auf die dienstlichen Aufgaben, den privaten Verpflichtungen und nicht zuletzt der eigenen Erholung. Nach Dienstschluss mit der Dienstbekleidung alles Berufsbedingte an den Nagel zu hängen, ist ein Wunschbild nicht nur für Polizisten, zuträglich der eigenen Psychohygiene und einem harmonischen Familienleben. Aber funktioniert das und ist es in jedem Fall statthaft?

Eine gänzliche Scheidung der Sphären kann es schon deshalb nicht geben, weil hier ein und dieselbe Person in beiden involviert und hoffentlich auch heimisch ist. Ein wachsamer Polizist, in potentiellen Gefahren kundiger als manch anderer Vater, kann seinen Kindern eben auch im Wege stehen, wenn es Freiräume abzustecken gilt, die zum Erwachsenwerden nötig sind. Und auch der Skandal um eine WhatsApp-Gruppe junger Polizeibeamter in Frankfurt zeigt, dass private Ansichten dienstlich durchaus relevant werden können. "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" - die Aufspaltung einer Persönlichkeit in zwei Hälften - geht schon in der Novelle Robert Louis Stevensons nicht gut aus.

Unterscheidungsvermögen ist also ebenso wichtig, wie die Fähigkeit, Gegensätze im eigenen Leben zu integrieren, soweit das möglich ist. Auf diese Gemengelage ab und an von außen zu schauen, ggf. beraten durch andere, kann hilfreich sein und Ent-Scheidungen fördern. Nach christlicher Einsicht hilft auch der Glaube, einen solchen Abstand einzunehmen:

"Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein" (1.Samuel 7,3 - Monatsspruch für März).

Martin Luther hat aus dieser Hinwendung eine erstaunliche Standortbestimmung des Menschen abgeleitet. Wenn der Glaube an Gott frei macht von letzten Ängsten und Nöten, dann auch zum Dienst im Hier und Jetzt. So paradox es scheinen mag, in diesem Glauben kommt beides auf die Reihe:

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.

Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Text und Foto: Wolfgang Hinz