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Archiv: Meditationen

Thomas Becket

Vom Gehorsam

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Thomas Becket - Glasmalerei von 1220, den Zerstörungen des 16. Jhd. entgangen
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Die Kathedrale von Canterbury gehörte nicht nur baulich zu den Höhepunkten einer Reise, die das Polizeipfarramt unlängst durch Englands Süden anbot. Neben dem überwältigenden Raumeindruck - bestimmt von der Romanik bis zur Hochgotik - ist es ein Mordfall, der am Tatort inne halten lässt.

Am 29. Dezember 1162 wurde vor dem Altar Erzbischof Thomas Becket von vier Baronen aus dem Umfeld König Heinrich II. brutal erschlagen. Hintergrund der Tat war seine Weigerung, sich in kirchlichen Angelegenheiten dem Staat unterzuordnen. So wurde Becket zum Inbegriff des Widerstands gegen staatliche Allmacht und bald als Märtyrer und Heiliger verehrt.

In der Folgezeit schätzten es Angehörige des Königshauses, neben ihm begraben zu werden und zollten ihm und seiner Haltung so Respekt. Bis Heinrich VIII. in seinem Kampf gegen die Vormachtstellung des Papstes den Kult um Becket unterbinden und seinen Schrein beseitigen ließ.

Heute markiert eine brennende Kerze im Cor den Ort einstiger Verehrung - verhalten, aber keineswegs weniger eindrücklich. Ein sanftes Zeichen wider jeden Absolutheitsanspruch, ob er nun von weltlichen oder religiösen Institutionen ausgeht.

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." (Apostelgeschichte 5, 29 - Monatsspruch Juni)

Fotos und Text: Wolfgang Hinz