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"...und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat."

Polizeiseelsorgliche Gedanken im Nachgang zur Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland

"Bezeichnend",  eine Begegnung an der Hauptwache Frankfurt  Foto: W.Hinz
"Bezeichnend", eine Begegnung an der Hauptwache Frankfurt
Foto: W.Hinz

Die WM ist vorbei und sie ist gut, sehr gut vorüber gegangen. Auch wenn Deutschland nicht Weltmeister geworden ist, sind sich doch alle einig: es waren vom Ablauf und der Stimmung her großartige Spiele. Nun wird ab- und rückgebaut, Bilanz gezogen und endlich Urlaub gemacht.

Auch die Polizei atmet auf. Die Anspannungen der letzten Wochen waren groß, der Kräfteeinsatz hoch, die Schichtfolge dicht, Erholungsstunden öfters nur im einstelligen Bereich zu haben. Schreckensszenarien, auf die man sich im Vorfeld eingestellt und vorbereitet hatte - auch die Hilfskräfte im Hintergrund, Polizeiseelsorger eingeschlossen - sind so nicht eingetreten. Nach dem ersten heißen Spielwochenende in Frankfurt, als 65.000 englische Fans meist friedlich die Stadt eroberten, zeichnete sich die kaum für möglich gehaltene Möglichkeit ab: das Ganze könnte auch gut ausgehen.

Dafür, dass es so gekommen ist, gibt es viele Gründe: eine intensive Vorbereitung, die ungewöhnlich hohe, immer freundlich-aber-bestimmte Polizeipräsenz und vieles mehr. "Schade, das der Erfolg der Prävention nicht wirklich messbar ist !!", schrieb eine(r) ins "WM-Gedanken-Buch" der Polizeiseelsorge, das im Versorgungsstützpunkt Messe auslag. Entscheidend am Ende ist der glückliche Ausgang.

Und Glück wird wohl auch im Spiel gewesen sein. Glückliche Umstände für die einen, Bewahrung für alle, die sich dabei "von guten Mächten wunderbar geborgen" wussten. Es bleiben Erinnerungen an die packenden Emotionen 10.000er, die zahlreichen erfreulichen Einzelbegegnungen, hoffentlich aber auch eine neue Grunderfahrung für diejenigen, die es sonst eher mit "Murphys Gesetz" halten (Alles, was schief gehen kann, wird auch schief gehen). Nein, Dinge können auch gut ausgehen - und sie tun das bisweilen auf eindrückliche Weise, wie wir gerade erlebt haben. Das sollten wir, schon um der eigenen Gelassenheit willen, nicht so bald vergessen und uns ggf. daran erinnern (lassen). "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat, " rät einem Psalm 103. Schließlich gilt nicht nur im Sport: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Wolfgang Hinz, Polizeipfarrer