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Archiv: Berichte

Israel / Palästina

Reise-Impressionen

AufstiegGenezareth
Aufstieg am See Genezareth

Ende Januar 2012 lud das Polizeipfarramt der EKHN zu einer Studienreise nach Israel / Palästina ein. 15 Polizeibedienstete aus Hessen und Rheinland-Pfalz machten sich gemeinsam mit Polizeipfarrer Wolfgang Hinz auf, ein vielfältiges Programm zu absolvieren. Hier Impressionen zu besonderen Momenten der Reise - verfasst von den Mitreisenden.

Hittim
Auf den Hörnern von Hittim

Den Kreuzfahrern abgelauscht

Nach mühsamem Aufstieg durch schweren rutschigen Matsch haben wir uns bei Nieselregen auf dem Plateau der Hörner von Hittim niedergelassen. Wir sitzen auf einem Steinhaufen - wie im Jahr 1187. Fast hören wir das Wiehern der Pferde, die Rufe der Krieger. Wir lauschen den Gesprächen der Kreuzfahrer, wie strategisch weiter vorzugehen sei, woher das Trinkwasser beschaffen? Wir spüren trotz Regen die sengende Sonne von damals, ihren Durst.

Golan
Auf dem Golan - Major Eder erläutert den UN-Einsatz an der syrisch-israelischen Grenze

Ehrfurchtsvoll lagern wir auf diesem geschichts- und blutgetränkten historischen Boden. Unser Guide, Sharon Schwab, führt uns das alles vor Augen. Letztlich wurde das Kreuzfahrerheer in dieser Landschaft vernichtend geschlagen. Die Muslime unter der Heeresführung Saladins erbeuteten das symbolträchtige Heilige Kreuz, der Anfang vom Ende christlicher Herrschaft im Heiligen Land. (Bianka Spehr)

MasadaReihe
Die Reisegruppe blickt auf die römische Rampe vor Masada

Hoch über dem Toten Meer

Masada. Auffahrt mit der Seilbahn zur Felsenfestung, errichtet von König Herodes mitten in der Wüste, oberhalb des Toten Meeres. In der Gondel plötzlich Gesang: „Ya’aseh Shalom“. Orthodoxe Juden feiern Bar Mitzwah, die religiöse Mündigkeit, eines ca. 13jährigen Jungen an historischer Stätte. 66 n.Chr., im Jahr des großen jüdischen Aufstandes, wurde Masada durch die Römer belagert.

EnGedi
Die Quelle von En Gedi

Während die Römer ihre gesamten Wasservorräte von „En Gedi“ mittels Eseln u. Sklaven heranschaffen mussten, konnten die ca. 1.000 jüdischen Widerständler, radikale Zeloten, die von Herodes errichtete Wassersammel- u. Zisternenanlage nutzen. Ein ausgeklügeltes Wasserleitsystems führte in der Regenzeit das Wasser umliegender Berge in die Zisternen. Ihr Inhalt hätte für eine Zeitspanne von ca. vier Jahren gereicht. Den Römern aber gelang es eine Rampe aufzuschütten und die Festung zu nehmen. Um nicht in Gefangenschaft zu geraten, verübten die Zeloten eine kollektive Massenselbsttötung. Nur zwei Frauen u. fünf Kinder sollen entkommen sein. Sharon versetzte uns in die Zeit von Flavius Josephus, des Berichterstatters dieser dramatischen Ereignisse.

(Jürgen Busser)

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Am Wasser hängt, zum Wasser drängt doch alles

Herauszuheben ist, dass Israel ein erhebliches Wasserdefizit hat. Die Niederschlagsmenge steht in keinem Verhältnis zu der, die benötigt wird. Deshalb wird am Toten Meer, dem salzigsten Gewässer der Erde, auch der Bau von Entsalzungsanlagen vorangetrieben.

Wenn man an das Tote Meer denkt, kommt mit Sicherheit jedem dies Bild in den Kopf: Ein Mann auf dem Rücken liegend, scheinbar im Wasser schwebend, mit einer Zeitung vor dem Gesicht. Wahrscheinlich konnte sich auch keiner von uns vorstellen, wie das ist. Es war unglaublich zu erleben, wie man aufgrund des hohen Salzgehaltes im Wasser getragen wird. Man tat gut daran, den Warnungen unsere Guides unbedingt Folge zu leisten, damit das salzhaltige Wasser nicht in die Augen geriet.(Daniel Wiener)

Totes Meer
So ging der Tag heiter zu Ende. Übernachtet wurde in einem Kibbuz am Toten Meer.

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Die godene Kuppel

Neben Jerusalems historisch-theologischer Bedeutung für Christentum und Judentum wird beim Anblick der goldenen Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg auch die Bedeutung dieser Stadt für den Islam deutlich.

Tempelberg
Blick über Jerusalem zum Tempelberg

Schließlich waren die Gebete der frühislamischen Gemeinde um den Propheten Muhammad anfangs gen Jerusalem gerichtet. Erst nach der Auswanderung Muhammads von Mekka ins nördlichere Medina wurde die Gebetsrichtung nach Mekka verlagert.

Jerusalem bzw. Tempelberg stellen nach Mekka und Medina den drittheiligsten Ort des Islams dar. Neben der Al-Aqsa Moschee ist der Felsendom das eigentliche Heiligtum des Tempelberges. Er ist über dem Felsen erbaut, auf dem bereits Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte, und von welchem aus Muhammad seine legendäre Himmelfahrt antrat.

(Daniel Schulz)

Sichtung
Archäologische Sichtung

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"I dig Jerusalem!"

Im Zelt des Temple Mount Sifting Projects wurden wir archäologisch aktiv. Hier sichten israelische Archäologen historischen Schutt, der beim Bau einer Moschee im Untergrund des Tempelberges 2005 angefallen und unsachgemäß abgekippt worden war. Der Aushub wurde „gesichert“. Eine ungeheure Menge, die nun akribisch gesiebt und sortiert wird, Eimer für Eimer. Juval, leitender Archäologe, gab uns eine hervorragende Einführung in die Geschichte des Tempelberges und schickte uns dann an die Arbeit.

Eimerweise siebten und spülten wir jeweils zu zweit die schlammige, steinige Masse – glücklicherweise mit warmem Wasser. Dann wurden die Funde sortiert: Keramik, besondere Steine, Metall, Knochen, Glas, Münzen. Das Suchfieber packte uns, begeisternd ein wunderschöner byzantinischer Mosaikstein aus Glas und ein kleiner eiserner Nagel, der zu einer „caliga“, einem römischen Militärstiefel aus der Zeit Jesu, gehört hatte. Juval: „In solchen Stiefeln haben die Römer ihr Weltreich erobert.“

HiskiaEinstieg
Abstieg in Hiskijas´ Tunnel

Als wir dann wieder das Zelt verließen, hatten wir nicht nur viel Spaß gehabt, sondern auch das gute Gefühl, dass wir unseren Beitrag zur Erforschung der Geschichte des Tempelberges geleistet hatten. (Ortrun Hindemith)

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Das Licht am Ende des Tunnels

Es hatte was von „Indiana-Jones-Feeling“ als wir in die Unterwelt Jerusalems hinab stiegen. In der alten Davidstadt, die sich über einen Bergkamm südlich der Altstadt erstreckt, noch unter den Resten eindrucksvoller Residenzen und Festungen, existiert ein künstlicher Wasserlauf aus biblischer Zeit: der Hiskijas-Tunnel.

HiskiaModell
Der Hiskijastunnel im Modell

Vor ca. 2.700 Jahren von König Hiskijas in Auftrag gegeben, sollte er die Wasserversorgung Jerusalems sicherstellen und Wasser aus der Gihon-Quelle außerhalb der Stadt in den inneren Shiloah-Teich leiten. Dieses Bauwerk gilt als antike Meisterleistung der Ingenieurskunst, zumal wenn man die damals verfügbaren Mittel bedenkt. Heute ist ein Teil des Tunnels auf ca. 530 Meter zur Begehung frei gegeben. Das Wasser ist normalerweise etwa einen halben Meter tief, variiert aber gelegentlich um ca. 20cm. Die Eingangstreppe ist noch aus dem Mittelalter.

HiskiaAusstieg
Am Ziel

Nun wird es ernst. Ein letztes „Glück auf“ und dann geht’s hinab in knietiefes Wasser. Stirnlampen und wasserfeste Schuhe sind nötig, denn nun wird es dunkel und nass, erstaunlicherweise aber nicht kalt. Schritt für Schritt schreitet die abenteuerlustige Gruppe tiefer und tiefer hinein in den Tunnel, kein Ende in Sicht. Ein Unbehagen lässt sich nur schwer unterdrücken – manche Stellen sind gerade mal Schulter breit. Zum Glück brennen alle Stirnlampen noch....Es geht durch unzählige Windungen und manchmal kommt die Tunneldecke so weit herunter, dass auch der „kleine Mann“ nur in gebückter Gangart voran kommt. Der Weg dauert etwa 30 Minuten, nach gefühlten 60 endlich „das Licht am Ende des Tunnels“ und frische Luft. Wir sind wieder frei! (Rainer Neubauer)

KoptMesse
Morgens in der Grabeskirche

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Wohin am Sonntag Morgen?

Für Christen in Jerusalem kein Problem, sollte man meinen. Am Sonntag wird hier in unzähligen Kirchen Gottesdienst gefeiert und das je nach Tradition auf unterschiedlichste Weise. Allein in der Grabeskirche, die im 4. Jahrhundert über jenem Areal errichtet wurde, wo zu Jesu Zeiten der Richtplatz und eine Vielzahl von Gräbern lagen, wechseln sich streng nach Plan sechs christliche Kirchen mit Messen ab. Und manchmal feiern und singen sie auch gleichzeitig in überraschender (höherer ?) Harmonie. Hier wird dem Westeuropäer die Fülle, aber auch der orientalische Ursprung des Christentums ganz unmittelbar bewußt. Irgendwann tut es einem Protestanten dann gut in der nahen Erlöserkirche auf Vertrautes zu stoßen: einen lutherischen Gottesdienst in deutscher Sprache - mitten in der Heiligen Stadt. (Wolfgang Hinz)

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Mit EUPOL-COPPS in der Polizeiakademie Jericho

Am vorletzten Tag der Reise erwartet uns ein weiteres Highlight. Die Fahrt führt uns ins in die sogenannte „Westbank“ nach Jericho, die wohl älteste Stadt der Welt. Unter den kritischen Blicken israelischer Militärposten, aber ohne besondere Kontrolle, passieren wir die Grenze zum palästinensischen Westjordanland. Der Checkpoint vergegenwärtigt uns die politischen Verhältnisse in der Region. Wir spüren aber auch die klimatischen Veränderungen. Nach dem eher kühlen und regnerischen Jerusalem erwartet uns nun wieder die Trockenheit der Judäischen Wüste.

PAJericho
Polizeiliche Formalausbildung

In der Polizeiakademie der palästinensischen Sicherheitskräfte in Jericho werden wir sehr freundlich empfangen. Die beiden deutschen Kollegen Peter Heepen (BW) und Steffen Gabriel (HE), Ausbilder in der Mission „EUPOL-COPPS“, erwarten uns bereits und haben ein straffes Informationsprogramm vorbereitet. Der palästinensische Leiter der Polizeiakademie, Colonel Zahar, studierter Jurist der Universität Damaskus, nimmt sich persönlich viel Zeit, um die deutschen Gäste willkommen zu heißen und mit uns die Akademie ausführlich zu besichtigen. Hierbei zeigt er sich immer wieder sehr dankbar für die deutsche Aufbauhilfe und die Unterstützung der Aus- und Fortbildung der Polizeieinheiten durch EUPOL-Fachkräfte.

In der Polizeiakademie Jericho werden männliche und weibliche Polizeianwärterinnen in Theorie und Praxis geschult, erfahrene Polizei- und Kriminalbeamte fortgebildet. Unser Blick trifft auf den mittig gelegenen „Appellplatz“ für die Verbandausbildung und Präsentation. Als eine Gruppe junger palästinensischer Polizeianwärter mit dunkelgrünen Einsatzanzügen vorbei marschiert, müssen einige von uns schmunzeln und denken an ihre eigene „Formalausbildung“. Wir gehen weiter über das Akademie-Gelände und bleiben auf einer Nebenstraße stehen. Hier wird gerade ein Pkw von Polizeianwärtern angehalten und schulmäßig kontrolliert. Sicherungsstellung, korrekte Anrede, Fahrzeugkontrolle, Eigensicherung. Unter Aufsicht eines Trainers wird das Rollenspiel wiederholt und verbessert.

PAJerichoGruppe

Der Rundgang ist beeindruckend. Alle Gebäude sind neu errichtet und auf aktuellem technischen Stand. Die klimatisierten Hörsäle genügen höchsten Ausbildungsansprüchen, ebenso die Dreifach-Sporthalle mit angrenzenden Fitnessräumen für Männer und Frauen. Geradezu begeistert sind wir von den zwei Gebäuden, die ausschließlich für das praxisorientierte Training in der Aus- und Fortbildung zur Verfügung stehen. Jeweils im Stil typischer Häuser der Region gebaut und ausgestattet, verfügen sämtliche Räume über Videokameras. Sie ermöglichen dem Ausbilder, von einem separaten Raum aus, das taktische Vorgehen der Polizeischüler und Fortzubildenden bei Familienstreitigkeiten, Gewaltdelikten und sonstigen Polizeilagen auf Bildschirmen zu beobachten. Mit Hilfe dieser Ausstattung ist es möglich, sämtliche polizeiliche Übungslagen innerhalb des Geländes der Polizeiakademie zu trainieren und anschließend zu besprechen.

Wadi Kelt
Auf dem Rückweg durch das Wadi Kelt

Der Rundgang endet nach 2 Stunden, ein gemeinsames Foto beschließt den Vormittag in der neuen Polizeiakademie Jericho. Die überaus aufgeschlossenen palästinensischen Kollegen laden zum Wiederkommen ein und blicken optimistisch in eine spannende Zukunft. (Jörg Stenczel)

Fotos: V.Schneider, R.Neubauer, W.Hinz