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Ökumenischer Ostergruß

Ökumenischer Ostergruß

"Polizei sucht super recognizer" - so lautet eine Schlagzeile dieser Tage und gesucht werden Menschen, die über herausragende Fähigkeiten in der Gesichtserkennung verfügen.

Dieser Aufforderung schließen wir uns einmal an und verändern sie ein wenig: Christen suchen super recognizer!

Wo Menschen leiden und belastende Situationen zu ertragen haben, gräbt sich das in ihre Gesichtszüge ein. Nicht selten können wir es einem ansehen, wie es ihm geht - wenngleich man keinem hinter die Stirn sehen kann. Das Bild des leidenden Christus von Aelbrechts Bouts Kopf Christi mit der Dornenkrone (15. Jh.) zeigt auf drastische Weise, wie sich das Leiden Christi in seine Gesichtszüge eingegraben haben könnte - so stellt es sich der Maler jedenfalls vor - und die Dornenkrone verhöhnt ihn als machtlosen König, der purpurrote Mantel unterstreicht dies.

Jesus war es, der den Entrechteten und Benachteiligten Ansehen schenkte, ihnen heilsam nahe kam und sie aufrichtete. Sein Ansehen wurde von denen beschädigt, die ihn bei Seite schaffen wollten und ihn verlachten. Am Kreuz sprachen die Soldaten zu ihm: "Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst". Lk 23,37

Alexej von Jawlensky, expressionistischer Künstler des 20. Jhs, dessen Bilder derzeit im Museum Wiesbaden zu finden sind, konzentriert sich in seinem Werk intensiv auf die Darstellung des menschlichen Antlitzes. Ganze Serien von Gesichtern erstellt er mit wiederkehrenden Formen und Zügen. Eines hiervon ist das Heilandsgesicht: Erwartung von 1917. Es zeigt den auferstandenen Christus mit großen, weit geöffneten Augen, ein hell leuchtendes Gesicht in zarten Farben.

Beide Bilder zeigen Jesus Christus und sein Ansehen auf ganz unterschiedliche Weise. Das Ansehen des Gottessohnes hat sich stark verändert, seine Verwandlung lässt sich erahnen.

In der österlichen Erzählung des Johannes-Evangeliums steht Maria aus Magdala weinend am leeren Grab und sucht den Leichnam Jesu, findet aber nur noch das leere Grab.

Da sagt einer zu ihr: Frau, warum weinst du?, sie aber erkennt in dem, der sie fragt, Jesus, ihren Herrn nicht mehr. - Erst nachdem er sich ihr zu erkennen gegeben hat, kann sie den auferstandenen Herrn erkennen und verkündet später den anderen: "Ich haben den Herrn gesehen." (Joh 20,18)

Diese beiden Christus-Darstellungen regen und an, Verwandlung und Auferstehung in unserem Leben zu sehen: trotz Leid und bedrückender Erfahrungen geschieht Verwandlung und wächst Neues - die Natur zeigt es uns. Menschen lassen sich nicht unterkriegen von Schwerem in ihrem Leben und stehen zu Neuem auf.

Erweisen Sie sich als super recognizer und erkennen Sie Spuren der Verwandlung und Hoffnung im liebevollen Miteinander.

Ihnen und Ihren Familien wünschen wir ein hoffnungsvolles Osterfest,

Ihr*e

Sabine Christe-Philippi, Polizeiseelsorgerin - Wolfgang Hinz, Leitender Polizeipfarrer