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Nikolaustag in Dannenrod

Besetzte und gefällte Bäume - dazwischen die Polizei.
Besetzte und gefällte Bäume - dazwischen die Polizei.

"Von drauß`vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen, es gibt ihn kaum mehr." (frei nach Theodor Storm)

Die Rodungsarbeiten im Dannenröder Forst sind mittlerweile beendet. Bereits am Nikolaustag stand nur noch ein kläglicher Rest des Stück Waldes, der für den Bau der A 49 weichen musste. Dicht besetzt von denen, die seit Monaten mit allen Mitteln versucht haben, den Kahlschlag zu vereiteln. Groß war der Kraftaufwand auf beiden Seiten. Die hessische Polizei, durch Hundertschaften aus den Nachbarländern verstärkt, hatte über Wochen zu gewährleisten, dass die Rodungen vonstatten gehen konnten. Ohne Konsequenz und Nachdruck war das nicht zu machen. Zugleich waltete viel Umsicht, wenn Widerständler aus Bäumen abgeseilt oder aus Erdlöchern ausgegraben werden mussten. Trotz dieser massiven Selbstgefährdungen sollte doch keiner zu Schaden kommen. Das gelang nicht in jedem Fall oder nur knapp. So laufen Ermittlungen - in beide Richtungen. Denn Angriffe auf die Polizei sprengten bisweilen jedes Maß und Empfinden.

Eine große Belastung waren diese Wochen auch für die heimischen Dienststellen. Kontinuierlich mussten sie Kräfte abgeben und die Arbeit vor Ort in Mindestbesetzung stemmen. Dazu aufwändige Sondereinsätze bei Corona-Demos, Bombenentschärfung oder Personensuchen bewältigen.

Nun beginnt der Straßenbau. Es bleibt zu hoffen, dass der ohne diesen sinnlosen Kräfteverschleiß zum Abschluss gebracht werden kann. Sinnlos? Auch wenn die Gegner dies Projekt nicht verhindert haben, steht die Sinnfrage für Künftiges nun extragroß im Raum. Die Frage auch, ob das, was vor 40 Jahren als notwendig erachtetet wurde, es heute auch noch ist.

Kritisches Nachdenken und Nachbereiten ist angebracht - auch für die Kirche im Blicke auf ihre Aktivitäten im und rund um den Dannenröder Forst. Der Advent unter Corona-Bedingungen mit all seinen Einschränkungen sollte dafür Zeit und Raum bieten, immerhin. Hoffentlich aber auch Ruhe und Besinnlichkeit anderer Art. Insbesondere und gerade für Frauen und Männer im Polizeidienst.

Foto&Text: Leitender Polizeipfarrer Wolfgang Hinz