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News und Berichte

"Der Ignorant und die Wahnsinnige"

- ein Dejavu -

Quer gegen "Quer" - Taunusstrasse, Frankfurt
Quer gegen "Quer" - Taunusstrasse, Frankfurt

Unter diesem (hier incl. ertüchtigten) Titel brachte vor Jahren das Staatstheater Darmstadt ein Stück von Thomas Bernhard auf die Bühne: darin reden die DarstellerInnen meist aneinander vorbei, dozieren, führen Monologe, sprechen in unfertigen Sätzen oder wiederholen unnötigerweise Teile des Vorangegangenen. Daran mochte sich erinnert fühlen, wer diesen Samstag in Frankfurt unterwegs war.

"Querdenker" hatten zum Marsch durch die Innenstadt aufgerufen, um ihren queren Überzeugungen Ausdruck zu verleihen: Covid-19 existiere nicht oder sei so harmlos wie eine Grippe; Warnungen von Wissenschaftlern und Medizinern, steigende Infektionszahlen - alles Fake News, Vorwände eines angeblich repressiven Staates, um freie Bürger zu bevormunden. Dazu Gegendemonstranten, die vor allem rechtsradikalen Trittbrettfahrern und Verschwörungstheoretikern auf der andern Seite Paroli bieten wollten. Mittendrin - wie so oft - die Polizei, um das Versammlungsrecht zu gewährleisten und Auflagen durchzusetzen. Schon immer ein undankbarer Job, erst recht in diesen infektiösen Zeiten. Zugleich aber unverzichtbarer Dienst an unserer Rechtsordnung, jeder Meinung Freiheit verpflichtet, sei sie auch noch so abwegig.

Wie ernst die Situation diesmal genommen wurde, zeigt der Einsatz eines Wasserwerfers. Seit den Tumulten um die Einweihung der EZB 2015 war er in der Stadt nicht mehr zum Einsatz gekommen, in kritischen Lagen allenfalls als Option mitgeführt. Nun trat er in Aktion. Einmal um dem Demonstrationszug, mehrfach zu Abstand und Masken angehalten, den Weg frei zu machen. Schließlich, um die Veranstaltung gegen Widerstände ihrem ordnungsgemäßen Ende zuzuführen. Martialische Maßnahmen, die keiner will.

Kalte Güsse gehören eigentlich in den Saunabereich oder die Welt des Pfarrer Kneipp. Auf anderen Gebieten der Medizin hat man sich längst von ihnen verabschiedet, zumal als Zwangsmaßnahmen. Es wäre ein bedenklicher Rückfall, wenn sie in überhitzten Zeiten durch die Hintertür wiederkehrten. Einsicht in Notwendigkeiten, Vernunft und Rücksicht auf andere würden unserer prekären Lage wahrlich gerechter.

An die Verantwortung jedes einzelnen vor Gott und Mitwelt erinnert zum Buß- und Bettag nachdrücklich der Wochenspruch: "Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er zu Lebzeiten getan hat, es sei gut oder böse." (2.Korinther 5,10)

Foto&Text: Wolfgang Hinz