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Und jetzt?

Von Hanau nach Volkmarsen

Banner am Gießener Stadtkirchenturm im Herbst 2019
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Lähmendes Entsetzen hat die Stadt Hanau, die Rhein-Main-Region, ganz Hessen erfasst. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag erschoss ein Amokläufer 10 Menschen und richtete sich am Ende selbst. Schriftliche Hinterlassenschaften des Täters eine wirre Mischung aus Fremdenhass und Verschwörungswahn, die Ziele seines Anschlags zwei Shisha-Bars und ihre arglosen Besucher. "Es war wie im Film", erklärt ein sichtlich schockierter Augenzeuge dem hr - nur war es eben kein Film, sondern grausame Wirklichkeit.

Die Polizei ermittelt unter Hochdruck und mit großem Kräfteeinsatz, Frankfurter Reviere fahren mit Mindeststärke, aber alle sind sich einig: "Das geht jetzt vor." Der Hessische Landtag trat zusammen, um der Toten zu gedenken, am Abend wird der Bundespräsident in Hanau erwartet. Der Generalbundesanwalt zog noch in der Nacht das Verfahren an sich, ob seiner bundesweiten Tragweite.

Und jetzt? "Trauer mit mir." Eine "Impuls-Aktion" der Ev. Kirche unter diesem Motto im Herbst letzten Jahres gewinnt mit einem mal bedrängende Aktualität. Ja, es ist Zeit zu trauern und die sollten wir uns nehmen. Trauern mit den Angehörigen der Toten, ihrem Freundes- und Bekanntenkreis und den Bürgerinnen und Bürgern von Hanau - der Goldschmiedestadt, die diesen Ruf dem Zuzug von Fremden im 17./18.Jhd. verdankt.

Trauern aber nicht nur über den Gräbern, die nun wieder ausgehoben werden müssen, Trauern auch ob der Gräben, die sich immer tiefer durch unsere Gesellschaft ziehen und das friedliche Zusammenleben gefährden. Jetzt: Trauer mit mir.

Und dann? Dann gilt es sich zu besinnen, was getan werden kann, getan werden muss, um solchen Gewalttaten zu wehren und den Boden zu entziehen. Da sind nicht nur die Politik und ihre Repräsentanten gefragt, sondern jeder und jede. Hetzern und Lügnerinnen muss widerstanden werden, entgegen getreten, wo immer sie ihr Haupt heben. Ihre Wühlarbeit gehört demaskiert, wenn denn die Gräben nicht immer tiefer und unheilbringender werden sollen, wir uns nicht alle in einem "Film" wiederfinden wollen, der dem Giftschrank dunkler Zeiten entsprungen scheint.

5 Tage nach Hanau erschüttert ein Amokfahrer in Volkmarsen das Land. Rosenmontag steuert er gezielt in eine Zuschauergruppe und verletzt über 50 Personen zum Teil schwer, darunter 18 Kinder. Entsetzen und Mitgefühl begleitet die Hoffnung, dass alle überleben. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt, noch unbekannt sind die Hintergründe der Tat. Polizeikräfte aus ganz Hessen sind im Einsatz und nicht nur sie fragen sich: Quo vadis?

Foto&Text: Wolfgang Hinz