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News und Berichte

Füße auf weitem Raum

Pilgern auf dem Jakobsweg

Austag 2018 - „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“

Unter diesem Vorzeichen waren 10 Angehörige der Hessischen Polizei der Einladung von Polizeipfarrerin Barbara Görich-Reinel gefolgt und von Gelnhausen nach Langenselbold auf dem Hessischen Jakobsweg als Pilger für einen Tag unterwegs.

Die Gruppe startete an der Katholischen Kirche in St. Peter Gelnhausen, wo sie von Pfarrer Günther, einem ehemaligen Polizisten, herzlich begrüßt wurde.

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Pfarrerin Görich-Reinel stimmte die Pilger auf diesen Auszeittag ein und brachte diesen näher, dass das Pilgern ein Laufen mit erhöhter Aufmerksamkeit auf sich selbst und die Umgebung, dem Gewahr werden der Geschöpflichkeit und ein Laufen unter dem Kreuz sei. Volker Schneider, PHK a.D., ehemaliger Polizeibeamter der Polizeistation Gelnhausen und Koordinator der Wegepaten des Hessischen Jakobsweges von Fulda nach Frankfurt, hatte ein geschmücktes Holzkreuz mitgebracht. Für die meisten war das Laufen unter dem Kreuz als Zeichen des Lebens, des Leidens und der Auferstehung eine neue Erfahrung. Das Kreuz sollte abwechselnd der Pilgergruppe vorangetragen werden und dabei bestimmte der Langsamste das Tempo und verkehrt damit die ansonsten häufig bestimmende Realität.

Volker Schneider, Mitglied der Hessischen Jakobusgesellschaft übernahm die Streckenführung und wurde durch Karl-Heinz Kohn, einem ausgebildeten Pilgerführer der Hess. Jakobusgesellschaft, unterstützt. Er gab der Gruppe verschiedene Impulse auf der ca. 18 km langen Tagesstrecke.

Nach der Einstimmung hatten die Pilger gleich den steilsten Anstieg des Tages in die längst überbauten Weinberge der Barbarossastadt Gelnhausen hoch in den Stadtwald zu bewältigen. Von hier wurde beim Blick über die Stadt und das Kinzigtal deutlich, wie stark Wohngebiete, Industrieanlagen, Straßen und Eisenbahnlinie das Tal zersiedelt haben.

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Das Wetter meinte es gut mit der Pilgerschar und es machte Spaß, auf den „federnden“ Wegen des Buchenwaldes zu gehen, so dass der folgende leichte Anstieg kaum wahrgenommen wurde. Einen ersten Halt machte die Gruppe an einer Wegegabelung und K.-H. Kohn verlas einen Text nach Psalm 31,9 b.

Weiter ging es unter schattigen Eichen am Waldrand in Richtung ehemaliges Waldschwimmbad Gelnhausen-Roth. Ein älteres Ehepaar, das gerade mit der Apfelernte beschäftigt war, begrüßte die Gruppe freudig und hätte diese, augenzwinkernd, gerne für die Ernte eingesetzt. Den nächsten kurzen Halt markierte ein Gedenkstein des 2010 eingeweihten Jakobsweges und vor den Pilgern öffnete sich in der Folge auf dem Bergrücken die Weite der Landschaft mit Blick ins grüne Kinzigtal mit seinen fruchtbaren Feldern, Feldholzinseln und dem grünen Spessart. Nach einem weiteren sanften Anstieg führte ein Hohlweg wieder talwärts zum ehemaligen Röther Waldschwimmbad.

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Mit dem Verlassen des Waldes fand das Kreuz einen neuen Träger und erreichte Gründau, dass landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Letzte Erdbeeren konnten auf den großen Feldern eines örtlichen Obstbauern gesehen werden, die jetzt die Landschaft dominieren. Bei der Unterführung der Bundesstraße nahm sich die Gruppe die Zeit für ein gemeinsames Foto. Den Hintergrund bildete ein Jakobsweg Grafitti, das 2012 von Gründauer Jugendlichen gefertigt worden war.

Schattenfrei führte der Weg jetzt im Zickzack auf dem gut markierten Weg in Richtung Bergkirche, auf dem Pfarrerin G. der Gruppe entgegenkam und schon weitem feststellen musste, dass die Teilnehmer bester Stimmung waren, denn das Lachen war weithin zu hören.

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Gemeinsam ging es dann zur weithin bekannten evangelischen Bergkirche auf dem Schieferberg in Nieder-Gründau. Die Pilger erfuhren informatives zum Gebäudeensemble und seiner Nutzung. Größte Kostbarkeit ist die imposante Ratzmann-Orgel.

Im gepflegten Kirchgarten hatte die Gruppe nun Zeit für eine kleine Mittagsrast mit Verpflegung aus dem Rucksack.

Danach folgte eine kleine Besinnung, die Gruppe versammelte sich dazu vor dem Altar und das

Teilen von Honigkuchen und Wasser, gepaart mit einem Friedensgruß, stärkte sie zum Weitergehen nach Langenselbold. Wieder einmal wechselte das Kreuz und es machte offenbar keinem der Teilnehmer etwas aus, dieses Symbol der Gruppe voran zu tragen.

Gegenüber der Kirche passierte die Gruppe das alte Brunnenhaus und es ging steil bergab Richtung Neubaugebiet und vorbei an der Kirche Christkönig, die wegen ihrer kronenförmigen Bauweise ins Auge sticht. Jetzt ging es ca. 6 km leicht ansteigend überwiegend geradeaus und unterwegs wurde ein Gebet von Antoine St.-Exupery gelesen: Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte

Danach lief die Gruppe für eine Weile schweigend – mit kleinen und großen Schrittlängen.

Beim Anblick der Ronneburg, kurz vor Langenselbold, wurde auf die Herrenhuter Brüdergemeinde und ihren Förderer Graf von Zinzendorf aufmerksam gemacht. Die Glaubensflüchtlinge wohnten dort und in ihrer Umgebung von 1736 bis 1753. Bekannt sind von dieser freikirchlichen, lutherisch-pietistischen Strömung die jährlichen Losungen, der Herrenhuter Stern und das Tischgebet: „Komm Herr Jesu, sei unser Gast und segne was du uns bescheret hast. Amen“

In Langenselbold war der Endpunkt des Pilgerns die Evangelische Kirche (Rad- und Pilgerkirche).

Wir blickten noch einmal auf den Tag zurück, sangen ein Lied und hörten aus der Bergpredigt den Zuspruch: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

Nach einer Dankesrunde, der Stempelausteilung durch die Ortspfarrerin ging es zu einem Eiscafé in Gelnhausen zurück, wo ein kurzweiliger und interessanter Pilgertag seinen Ausklang fand.

Ein besonderer Dank gilt Frau Görich-Reinel, die wegen einer Verletzung den Weg nicht zu Fuß mitgehen konnte, die Pilger aber stationsweise begleitete und den Auszeittag vorbereitet hatte.

Text und Foto: Volker Schneider, PHK a.D.