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"Ein Polizist ist immer Polizist"

Diskussion der Polizeiseelsorge: Polizei steht für Freiheit. Polizei führt Dialoge. Polizei braucht Wertschätzung.

Der gegenseitige Respekt zwischen Polizei und Bürgern muss wachsen. Es funktioniert nicht, staatliche Autorität nur durch Stärke ausstrahlen zu wollen, Autorität und Respekt müssen auf Augenhöhe hergestellt werden. Ernsthafte Dialoge sind wichtig, innerhalb der Polizei genauso wie zwischen Polizei und der Gesellschaft. Und: Die immer schnellere Medienwelt bringt die Polizei häufig in Widersprüche, die Polizistinnen und Polizisten oft nur schwer aushalten können. Eine stabile Führungskultur ist deshalb unerlässlich. Erkenntnisse wie diese standen am Ende einer intensiven Podiumsdiskussion, zu der die Polizeiseelsorge der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Räume der Hessischen Bereitschaftspolizei in Mühlheim am Main eingeladen hatte.

In Anlehnung an den durch den Künstler und Moderator Jan Böhmermann bekannt gewordenen Rapsong "Ich hab Polizei" lautete das Thema des "Workouts der anderen Art": "Ich hab´ Polizei - Ich bin Polizei!" Vertreterinnen und Vertreter der Polizei und der Evangelischen Kirche diskutierten dabei über die Spannungen und Gegensätze, die Polizistinnen und Polizisten vielfach auszuhalten haben. Polizei erscheint manchen als "Feind", vielen als "Helfer". Sie muss die freiheitlich demokratische Grundordnung garantieren, dafür müssen ihre Angehörigen aber bereit sein, Einschränkungen der eigenen Freiheit hinzunehmen. Umso wichtiger sind Gespräche und Dialoge auf allen Ebenen.

Einladung

Polizei: "Wir gehen überall hin und sind geschätzte Partner."

So konstatierte Volker Pfeiffer, Präsident des Hessischen Bereitschaftspolizeipräsidiums, dass es für die Polizei in einer immer komplexer und schneller gewordenen Welt, in der die Bevölkerung immer mehr Sicherheit wolle, große Herausforderungen gäbe. In Deutschland sei die Polizei auf einem hohen Niveau und bekomme positive Resonanz, sei aber auch getrieben von der medialen Welt - vor allem, wenn irgendwo etwas schief gehe. Es sei schön, festzustellen, dass man dabei auf so gut ausgebildete und motivierte Kolleginnen und Kollegen bauen könne. Bei Einzelnen führe das durchaus zu Überlastung, Krankheit oder Frustration. Allerdings, so Pfeiffer: "Die Polizei gehört zur Gesellschaft und ist immer im Dialog. Wir gehen überall hin und sind geschätzte Partner. Die Bundesrepublik steht für Freiheit und die Polizei garantiert diese Freiheit."

Es brauche politisch stabile Verhältnisse und genauso eine persönliche Stabilität und Haltung, betonte der Polizeipräsident. Besonders nötig sei jedoch eine gute innere Führungskultur mit klaren Linien und Regeln. Diese müssten im Dialog mit den Mitarbeitenden und in gemischten Teams entwickelt werden, allerdings müsse die Führung gegebenenfalls auch personell eingreifen und Konsequenzen ziehen. "Das sind auch unangenehme Prozesse mit Konsequenzen, um im Lot zu bleiben", so Pfeiffer und fuhr fort: "Wir müssen vor Ort gehen, mit den eigenen Leuten reden, Zeit investieren."

Auf einen "Ambivalenzstress" wies Oberkirchenrat Christian Schwindt, Leiter des Zentrums Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, hin. Die Polizei genieße einerseits hohe Wertschätzung in der Gesellschaft, andrerseits werde aber Fehlverhalten sofort skandalisiert und öffentlich heftig kritisiert. "Politische Kommunikation ist roher geworden", sagte der Kirchenvertreter. Die Polizei müsse sich intensiv mit den gegenwärtigen Transformationsprozessen der Gesellschaft befassen. Migration, Globalisierung, Digitalisierung oder auch der demografische Wandel seien unumkehrbare Prozesse. Wichtig für die Polizei seien gute politische Rahmenbedingungen und gleichzeitig eine innere Wertschätzung für ihre Mitarbeitenden.

"Mit dem jeweiligen Gegenüber in Würde arbeiten!"

Dass der Beruf eines Polizisten die ganze Person fordert und auch das Privatleben prägt, unterstrich Hans-Jürgen Greth, ehemaliger Erster Polizeihauptkommissar im Rückblick auf seine Dienstzeit, die in den frühen 1950er Jahren begonnen hatte: "Ein Polizist ist immer Polizist." Es sei wichtig, mit dem jeweiligen Gegenüber in Würde zu arbeiten - egal ob es sich dabei um Untergebene oder Demonstranten handele. Das Polizist-Sein bestimmt das Leben. Dabei immer seriös zu bleiben, moralische Werte hochzuhalten und die demokratische Grundordnung zu achten und zu schützen - das bezeichnete auch die Polizeistudentin Nathalie Matzik als Erwartung und Anforderung an ihren zukünftigen Beruf.

Man müsse vorher darüber reflektieren, welche Art von Polizist man sein wolle, betonte die angehende Polizistin. Nico Cavallo, Standortsprecher der Studierenden der Polizeihochschule, stellte heraus, dass die Berufsausübung aber auch stark von der Wertschätzung des Dienstherrn abhänge. Die jeweiligen Vorgesetzten müssten dafür sorgen, dass Dienstpflichten gleichmäßig verteilt werden. Die Polizei habe in den nächsten Jahren durch viele neue Kolleginnen und Kollegen gute Möglichkeiten die Innere Sicherheit zu gewährleisten. "Wir werden viel präsenter sein und viele jungen Menschen auf den Straßen haben", so Cavallo.

Kirche dankt Polizei, fordert Respekt vor jedem Menschen und kritisiert Skandalisierungen

In einem "geistlichen Impuls" dankte Ulrike Scherf, die Stellvertretende Kirchenpräsidentin der EKHN, den Polizistinnen und Polizisten ausdrücklich für ihren Dienst: "Danke, dass Sie Polizei sind und ich Polizei habe." Die Polizei sorge für die öffentliche Sicherheit und Ordnung und spiele für den gesellschaftlichen Frieden eine wichtige Rolle. In Anlehnung an die biblische Jahreslosung für 2019 "Suche den Frieden und jage ihm nach" (aus Psalm 34) sagte Scherf, der Frieden in unserer Gesellschaft sei vielfältig bedroht. Polizei jage "ganz praktisch dem Frieden nach - und zwar in oft gewaltvollen oder bedrohlichen Situationen" Scherf fuhr fort: "Sie jagen dem Frieden, der Gerechtigkeit nach und stehen dafür ein, dass Menschen sich verantworten müssen. Um Frieden und Freiheit für viele zu sichern."

Die Stellvertretende Kirchenpräsidentin verwies allerdings auch darauf, dass die Polizei, die für das Gewaltmonopol des Staates stehe und in bestimmten Situationen Gewalt anwenden müsse, dennoch Respekt vor jedem Menschen zeige müsse, "auch vor Menschen mit anderer Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung". Das geböten das Grundgesetz und auch das christliche Menschenbild.

Scherf kritisierte gleichzeitig "plakative wie populistische Skandalisierungen, die die Polizei scheinbar unter Generalverdacht stellen", wenn beispielsweise Medienberichte die Polizei als "braunen Sumpf" bezeichneten. "Das diskreditiert die vielen, die allermeisten Polizistinnen und Polizisten, die ihren Dienst tun, um sich für Sicherheit, Ordnung und Gerechtigkeit einzusetzen und denen das Grundgesetz am Herzen liegt", so Scherf und fuhr fort: "Mich entsetzt auch, wie Sie und mit Ihnen Menschen aus anderen helfenden Berufen etwa an Unfallorten oder im Netz behindert, angepöbelt, beleidigt oder gar verletzt werden. Hier sollten alle Menschen, die den Frieden suchen, an Ihrer Seite stehen."

Polizeiseelsorge als Angebot der Kirche für persönliche Begleitung

Angesichts von belastenden Einsätzen und der unmittelbaren Erfahrungen von Gewalt und Tod bot die Stellvertretende Kirchenpräsidentin Scherf den Beamtinnen und Beamten die persönliche Begleitung durch die Kirche und die Polizeiseelsorge an. "Dass es die Polizeiseelsorge gibt, sei Ihnen ein Zeichen dafür, dass wir um Ihre besondere Situation wissen und für Sie da sein wollen - unabhängig davon, ob Sie Mitglied der Kirche sind", so Scherf.

Die Diskussionsveranstaltung der Evangelischen Polizeiseelsorge wurde vom Leitenden Polizeipfarrer Wolfgang Hinz und der Polizeipfarrerin Barbara Görich-Reinel moderiert und geleitet. Insgesamt nahmen etwa 150 Personen daran teil, vor allem Studierende und Lehrkräfte der Polizeihochschule, daneben auch Angehörige und Vertreterinnen und Vertreter anderer Polizeieinrichtungen und des Evangelischen Polizeibeirats

Martin K. Reinel, Kirchenrat und Pfarrer, Koordination Regionale Öffentlichkeitsarbeit