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Anstoß zum Nachdenken

Schöne Aussichten

Novembergedanken

Schöne Aussichten

Weit weg ist die Hitze des Sommers. Weit weg die fröhliche Stimmung der Draußen-Runden beim nachbarschaftlichen Schwatz vorm Haus oder das Essen mit Freundinnen in Restaurants am Straßenrand.

Weit weg scheint auch die Verheißung des neuen Jerusalems. Im Monatsspruch von November heißt es: "Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann." (Offenbarung 21, 2) Das neue Jerusalem auf einer neuen Erde. Die Goldene Stadt ist befriedet, ohne Mauern und Absperrungen, für alle zugänglich und mittendrin wohnt Gott in Eintracht zusammen mit den Menschen. Eine schöne, aber ferne Vorstellung!

Menschen im heutigen Jerusalem erleben wie wir: Altes hält gefangen. Überkommene Strukturen werden bedient, obwohl sie nicht mehr tragen. "Uns geht es gut" und dennoch ist Angst spürbar: vor persönlichen Nachteilen, vor Krisen und crashs, vor dem Verfall von Demokratie und leider auch wieder vor Krieg. Der gewaltsame Tod ist präsent. All das Leid, Geschrei und der Schmerz, den sich Menschen zufügen, erschüttern zutiefst. Hört das wirklich irgendwann mal auf oder müssen wir nicht eher befürchten, dass die alte Welt sich noch grauenvoller gebärden wird, sich wie ein Ungeheuer aufbäumt, um dann in Schutt und Asche zu zerfallen - Apokalyptische Vorstellungen.

Wenn etwas zu Ende geht, entwickelt sich Neues. Das ist tröstlich. Doch die Lösung vom Alten fällt schwer. Es kommt zum Streit mit den Vorwärtsgewandten, mit denen, die Vertrauen und Visionen haben. Dadurch wird eine Gemeinschaft gefährdet und ihre Entwicklung stagniert. Böswillige Kräfte warten darauf, solche Momente für sich auszunutzen.

Innehalten, um sich neu auszurichten. Der Buß- und Bettag lädt dazu ein. Er hinterfragt das "Weiter so"! im Kleinen wie im Großen. Er regt dazu an, sich zu unterbrechen und neu aufs Leben zu schauen. "Siehe ich mache alles neu!" sagt der, der auf dem Thron sitzt. Gott hält Zukunft für uns bereit. Gute Ideen seitens der Menschheit gibt es auch schon dazu. Sie wollen befördert werden. Die Erde ist zu retten! Mit dem Nachbarn und der Freundin. Gemeinsam übers Jahr hinweg.

Der nächste Sommer kommt bestimmt. Warum also nicht doch ein neues Jerusalem?

Ihre Polizeipfarrerin Barbara Görich-Reinel