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Anstoß zum Nachdenken

Bäume des Waldes

- zum Monatsspruch August

Bäume des Waldes

"Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt, um die Erde zu richten." (1. Chronik 16,33)

Den Bäumen in Brandenburg ist wahrscheinlich nicht zum Jubeln zumute. Wenn die Schöpfung eine Stimme hätte, sie würde ächzen. Wir haben das jahrzehntelang überhört. Und jetzt vergeht kaum ein Tag, an es keine Nachrichten über den Klimawandel gibt. Dass wir, insbesondere die westliche Zivilisation, uns das selber eingebrockt haben, aber der ganze Planet die Suppe auslöffeln muss, kann man nur noch leugnen, wenn man sein Hirn komplett mit alternativen Fakten möbliert hat und den Kopf in den zu heißen Sand steckt. Ich weiß nicht, was Gott mal sagt, wenn unsere ihm seine Erde völlig kaputt wieder zurückgibt.

Aber wenn die Welt seufzt, dann hört Gott das. Die ganze Zeit. In dieses Stöhnen stimmt Gott mit ein. Mit seiner Stimme. Der Heilige Geist seufzt auch, heißt es in Römer 8,26. Auch Gott redet nicht einfach weiter, wenn das Elend zum Himmel schreit. Wenn Gott seufzt, ist das schon eine Antwort. Aber eine besondere: So wird nämlich aus dem Seufzen der Schöpfung ein Gebet, weil Gott darauf antwortet. Es ist nicht mehr bloß ein stummer Klagelaut. Die ganze Erde betet, sagt die Bibel. Das tut sie in den Psalmen öfter mal. In Psalm 19 zum Beispiel lobt die Schöpfung ihren Schöpfer. Und sie klagt auch. Bittet darum, dass Gott doch bitte zur Welt kommt. Dass die Welt wieder zu Gott findet. Dass sie zu dem wird, was sie eigentlich sein soll: Nicht mehr die unerlöste Welt, die von Gott getrennt ist, sondern die aufgerichtete, neu gemachte, wieder gut gemachte. Auf dieses Klagegebet der Schöpfung antwortet Gott: Auf einmal mischt sich in dieses Stöhnen der ganzen Welt: das Seufzen von Geburtswehen. Und dann der Schrei eines Neugeborenen. Gott antwortet auf die unzähligen Klagelaute in der Welt, indem er in diese Welt ein Kind setzt. In die Welt, in die die Menschen heute keine Kinder mehr setzen wollen oder ihre Hoffnung. So rettet Gott die Welt. Schon immer, seit die Welt verloren gegangen ist. Und vielleicht werden wir Menschen mit Gott doch noch zu Hoffnungsträgern dieses Planeten statt zu seinem Totengräber.

Polizeipfarrer Dr. Armin Kistenbrügge