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Anstoß zum Nachdenken

Du allein kennst das Herz

Zum Monatsspruch Juni

Du allein kennst das Herz

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder. 1.Kön 8,39

Sich Kennen erleichtert die Kommunikation. Man weiß etwas über den oder die andere. Man ist sich schon mal begegnet und ein wenig vertraut, bekannt miteinander. Von jemandem das Herz kennen ist anspruchsvoll, vielleicht sogar unmöglich. Schlägt es am rechten Fleck? Ist es verstockt? Trachtet es nach dem Bösen? Da geht es um Haltung, um Einstellungen und Verhalten. Das Herz von jemandem zu erkennen, setzt Interesse voraus. Anteil nehmen, sich die Mühe machen, seine oder ihre Herzenswünsche zu ergründen. Bedürftigkeiten wahr- und ernstnehmen.

Der Monatsspruch Juni ist Teil eines Gebets: "höre du im Himmel, dem Ort, wo du wohnst! Vergib und handle! Gib allen Menschen nach ihren je eigenen Wegen, du kennst ihre Herzen, denn du allein kennst das Herz aller Menschenkinder." Gott interessiert und weiß, was Menschen brauchen. Deshalb die Bitte an ihn, für sie je nach Bedarf zu sorgen.

In Zeiten von Corona liegen die Herzen offener als sonst. Es ist gut erkennbar und benannt, was nötig ist: Pflege und Schutz, Solidarität und lokale Versorgung, Ermunterung durch Kultur und die Entwicklung nachhaltiger Lebensmöglichkeiten. Was brauchen wir wirklich? Diese Frage ist neu gestellt und geht alle an. Auf der schwierigen Suche nach den richtigen Wegen ist mein Herzenswunsch: Möge Gott bei uns bleiben, damit sich die Herzen weder durch Fake News noch durch Gewalt verschließen! Mögen die Herzen nicht abtrünnig werden, weder durch Verschwörungstheorien noch durch Angriffe auf unsere gemeinschaftsbindende, mühsam errungene Staatsform und ihre RepräsentantInnen. Was wir wirklich brauchen, zeigt sich an den Schwächsten dieser Welt. Gott möge für sie zuerst sorgen und damit für uns alle.

Foto & Text: Barbara Görich-Reinel, Polizeipfarrerin