Home Polizeipfarramt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Anstoß zum Nachdenken

Schneckentempo?!

Gedanken zum Monatsspruch Juli

Federwippentier - hinter dem ehemaligen Bundesrechnungshof in Frankfurt am Main
Federwippentier - hinter dem ehemaligen Bundesrechnungshof in Frankfurt am Main

"Die Entdeckung der Langsamkeit" war programmatischer Titel eines Bestsellers in den 80ern: ein Kapitän und Polarforscher - oft in Schwierigkeiten, weil er mit der Schnelllebigkeit seiner Zeit nicht Schritt halten kann - macht schließlich bedeutsame Entdeckungen dank seiner Langsam- und Beharrlichkeit. Entschleunigung ist auch heute noch das Stichwort, wenn es um das richtige Tempo beim Tun und Lassen und überhaupt im Leben geht.

Auch dem Polizeidienst ist die Thematik nicht fremd. Und das nicht nur im Straßenverkehr, wenn es gilt überhöhte Geschwindigkeiten zu ahnden. Unterschreitungen können, wenn auch selten, ebenso zum Problem werden. Das richtige Tempo spielt beim Ermitteln seine Rolle wie auch bei der Aktenbearbeitung. Sorgfalt und Effektivität können hier durchaus in Konkurrenz geraten. Im Umgang mit dem Bürger, bei Befragungen z.B., sind Geduld gefragt und manchmal eben auch Nachdruck.

Das richtige Maß ist eine Frage des eigenen Naturells und Abwägens. Der Monatsspruch für Juli aus dem Jakobusbrief differenziert da m.E. ganz hilfreich:

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. (Jak 1,19)

Um sich und anderen gerade Letzteren zu ersparen - der Zorn wird nicht von Ungefähr unter die Todsünden gezählt - ist es ratsam, dem Zuhören Vorrang einzuräumen und beim Erwidern mit Bedacht vorzugehen. Das richtige Tempo ist eine Kunst des Ermessens und schon bei der Einweisung in den Gebrauch einer Federwippe ratsam - um so mehr, wenn diese als Schnecke daher kommt.

Foto&Text: Ltd.Polizeipfarrer Wolfgang Hinz