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Anstoß zum Nachdenken

Gott im Dunkel finden

Zum Monatsspruch Dezember

Gott im Dunkel finden

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott. (Jesaja 50,10)

Es wird dunkler in Deutschland. Das Wort Gemeinsinn ist auf die Unesco-Liste der bedrohten Wortarten gesetzt worden. Der Umgangston wird rauher. Der Hass wird lauter. Die Polizei kann für Sicherheit sorgen wie sie will, das Unsicherheitsgefühl bleibt: "Ich geh´ abends nicht mehr raus. Vor allem nicht an diesen dunklen Ecken vorbei", sagen verängstigte Menschen. Und die Populisten rufen neue "no-go-areas" aus und bieten sich als Vertrauensanker an. Na dann gute Nacht.

Aber Gott meidet die dunklen Ecken auf der Welt nicht. Im Gegenteil: Gott kommt auf die Welt, so dunkel wie sie ist. Und wartet nicht erst, bis er Menschen antrifft, so wie er sie haben will. Er kommt sozusagen an der dunkelsten Stelle auf die Welt. Da, wo es nicht mal Straßenbeleuchtung gibt. Am Ende der Welt. Das ist die Botschaft in der Adventszeit. Das ist, als hätte einer in die Schwärze, wo man die Hand nicht vor Augen sehen kann und die Orientierung völlig verloren hat, eine Kerze angezündet. Mir kommt die Geschichte in den Sinn, wo ein Königssohn die Aufgabe bekommt, mit einem Euro fünfzig loszuziehen und sich was einfallen zu lassen, wie man damit den größten Saal des Palastes füllen könnte. Und er kauft ein paar Teelichter bei IKEA. Und zündet sie an, als es draußen dunkel wurde. Und der Raum füllt sich. Mit Licht. Natürlich wird die Welt dadurch nicht schlagartig strahlend hell. Aber man gewinnt neue Orientierung. Und Vertrauen. Das Licht in der Dunkelheit als Bild für die Hoffnung ist auch noch nicht alles. Das entscheidende ist, dass Gott nämlich im Dunkel bleibt. Und einem die Hand reicht, die man festhalten kann, wenn man selber im Dunkeln tappt. Oder einem vor der Finsternis graut.

In der dunkelsten Zeit in Deutschland schrieb der evangelische Dichter Jochen Klepper ein Adventslied: "Die Nacht ist vorgedrungen". Die letzte Strophe lautet: "Gott will im Dunkel wohnen / und hat es doch erhellt. / Als wollte er belohnen / so richtet er die Welt. Der sich den Erdkreis baute, / der lässt den Sünder nicht, / wer hier dem Sohn vertraute, / kommt dort aus dem Gericht."

Gesegnete Advents.

Dr.Armin Kistenbrügge