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Anstoß zum Nachdenken

Ein neues Jahr beginnt!

Ein neues Jahr beginnt!

Das alte haben wir verabschiedet: Manche mit Wehmut über ein nur unter Mühen und Enttäuschungen durchgewursteltes Lebensjahr, in dem manche Schrecken zu verkraften und Wunden zu verbinden waren - andere hingegen voll banger Vorfreude auf das Kommende, wenn liebevoll gezüchtete zarte Pflänzchen Wurzeln schlagen und prächtig sprießen, wenn Langersehntes wahr wird und unbestimmte neblige Hoffnung sich in unerwarteter Pracht enthüllt. Kein Jahresbeginn ist deshalb denkbar ohne gute Vorsätze: Manche wollen aufräumen, klaren Tisch machen, mit frischem Elan durchstarten - andere wollen Bewährtes behutsam weiterführen oder aus Sackgassen rausmanövrieren und sich allmählich freischwimmen.

Über allen schwebt zugleich die Sorge vor unerwarteten Querschlägen, die diffuse Angst vor schleichender Krankheit und familiären Turbulenzen, die bange Ahnung, in altbewährten Hamsterrädern auf Dauer unentrinnbar gefangen bleiben zu müssen- und nicht zuletzt der beklommene Blick auf die allgemeine Weltlage, die zunehmende Inflation etwa inklusive Enteignung der Sparer und steigendem Armutsrisiko, das Zerfasern des europäischen Friedensprojektes in nationalistischer Engstirnigkeit oder das Irrlichtern eines Geisterfahrers auf dem Präsidententhron, der seit zwei Jahren mit groben Schlägen mal eben die ganze Weltordnung demontiert - ganz zu schweigen von den arglistig schleichenden Zersetzern unserer Demokratie, die einst unsagbare Menschenfeindschaft plötzlich wieder salonfähig machen.

Alles Gewitterwolken, die wir am Horizont aufziehen sehen, die das Gebälk unserer Ordnung ins Wanken zu bringen vermögen - manche am privaten Himmel, andere im Blick auf die politische Großwetterlage! Da stellt sich an der Jahresschwelle die Frage nach dem Fundament unserer lebenserhaltenden Hoffnung, daß alles doch zu einem guten Ende gelangen wird - daß unsere Sehnsüchte nicht hohl, unsere Vorsätze nicht sinnlos, unsere Wünsche nicht unerfüllbar und unser Mühen wenigstens teilweise mit Erfolg gekrönt sein werden.

Die Bibel erzählt davon, wie Gott, unsere Sonne und unser Schild, hineinleuchtet in das Dunkel der Gewitterwolken. Er wird sie nur teilweise erhellen - ihre Finsternis nicht restlos vertreiben - ihr Drohen nicht spurlos bannen. Aber zugleich wird er das Wunder des Regenbogens schenken- dieses Zeichen des Noah: Gott wird es niemals zulassen, daß die Welt in Flut und Chaos versinkt. Gerade in den bedrängenden Unwetterstunden unseres Lebens sendet Gott uns diesen Bogen: "Der soll ein Zeichen sein das Bundes zwischen mir und der Erde" (Gen 9,13). Seinen Bund schließt Gott mit der ganzen Menschheit: Was auch immer passiert - "solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht" (Gen 8,22). Diese Garantie Gottes ist Fundament unserer Hoffnung: Und der bunte Bogen am Horizont unserer Zukunft das Zeichen seiner Wahrheit.

Dr.Martin Schulz-Rauch