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Anstoß zum Nachdenken

Suchet der Stadt Bestes

Zum Monatsspruch Oktober

Neustrelitz - vom Kirchturm aus.  Foto: Martin K. Reinel
Neustrelitz - vom Kirchturm aus. Foto: Martin K. Reinel

"Suchet der Stadt Bestes" ist schon fast ein geflügeltes Wort für alle, die sich kirchlich im Gemeinwesen engagieren. Und für die Polizei ist das nichts Neues: PolizistInnen des Landes kooperieren notwendigerweise mit den Kommunen, suchen das Beste für ihr Zuständigkeitsgebiet. Sie sind angewiesen auf die jeweiligen Ämter mit ihren spezifischen Kenntnissen und Befugnissen, um wirksam zu sein.

Liest man den weiter, heißt es: Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn´s ihr wohlgeht, so geht´s auch euch wohl. Jeremia 29,7

Angesprochen sind hier Menschen, die im 6.Jhdt. vor Christus von Jerusalem nach Babylon, in eine fremde Stadt auf dem Gebiet des heutigen Iraks deportiert und verbannt wurden. Diese vertriebenen Migranten sollten sich auf die neue Situation einlassen, Häuser bauen, Gärten bepflanzen, Familien gründen. Nicht abwarten, nicht passiv bleiben, nicht alles über sich ergehen lassen - so die biblisch überlieferte Empfehlung des Propheten Jeremias. Nein, ankommen, um zu bleiben! Und sie sollten für ihre neue Stadt beten, damit es ihr gut gehe. Geht es Babylon gut, dann werden es auch die Neuankömmlinge, die in der Stadt wohnen, gut haben!

Ankommen, um zu bleiben: Wann ist man heute angekommen? Woran ist zu erkennen, dass Menschen sich auf ihren neuen Wohnort eingelassen haben? Arrival Citys wie Offenbach können dazu gut Auskunft geben. Viele Faktoren ermöglichen Menschen hier anzudocken und heimisch zu werden. Ein bestehendes Netzwerk von Einwanderern, Kleinteiligkeit und informelles Miteinander helfen ?Heimat herzustellen?. Günstiger Wohnraum und später die Möglichkeit Immobilien zu erwerben, Arbeits- Existenzgründungsmöglichkeiten, gute Verkehrsanbindungen, Bildungserwerbschancen spielen dabei eine große Rolle. Und es ist ein beidseitiger Prozess, der ein Zusammenleben möglich und gut werden lässt: die strategische Aufstellung der Ankunftsstadt und die Haltung des Einwanderers sich der neuen Situation zu stellen. In Offenbach scheint das Ankommen und Miteinander ganz gut zu gelingen, viele Einwanderer ziehen später allerdings von dort weg, ins Umland. Haben die Ankommenden für ihre Stadt gebetet? Vielleicht!? Einen interreligiösen Dialog gibt es seit dem 11. September 2001, auch eine Initiative den Frieden in und um Offenbach zu fördern. Die Polizei ist dankbar für die ausgeglichene Vielfalt in Offenbach.

Um der Stadt Bestes zu suchen, braucht es das Gebet! Auch innerhalb Deutschlands gibt es Bewegungen, Landflucht, Ansiedlung in den "Speckgürteln" der Stadt. Anlässe zum Beten gibt es genug: Ich denke an verwaiste Innenstädte in ländlicher Umgebung. Ich kenne unbezahlbare, luxussanierte Stadtviertel und Ansammlungen von Zelten am Rand von Großstädten. Es gibt Klein-Städte, deren Zentrum ausschließlich von "Ethno-Ökonomie" lebt, auf der grünen Wiese stehen anonyme Einkaufscenter. Viele Städte sind verschuldet, versilbern ihren letzten Ackerboden oder verbünden sich mit unsoliden Investoren. Diese Spannungen sind Grund genug, dass alle, die beten, ihre Städte `ins Gebet´ nehmen; für sie zu beten und sich für sie verantwortlich zu zeigen. Im Jahr 2050 lebt 2/3 der Weltbevölkerung in Städten, lautet eine Prognose. Dies will gestaltet sein. Dazu braucht es Gottes guten Geist, auch für die Polizei.

Barbara Görich-Reinel, Polizeipfarrerin