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Anstoß zum Nachdenken

Alle Tage.

Zum Monatsspruch April

Hochzeitshimmel über Isny im Allgäu - Foto: W.Hinz
Hochzeitshimmel über Isny im Allgäu - Foto: W.Hinz

Was für ein Versprechen. Das sich zwei am Traualtar geben. Eigentlich können die nicht bei Trost sein, sich so weit aus dem Fenster zu lehnen: "... bis der Tod uns scheidet." Wer kann das halten? Wer kann eine Garantie für sich geben, die sogar die Gewährleistung einer Miele-Waschmaschine bei weitem übersteigt? Warum tun wir das?

Weil wir das brauchen. Menschen leben von solchen Versprechen. Kinder brauchen das. Dieses bedingungslose: "Ich bin für dich da. Egal was kommt. Vertrau mir." Ohne solche Zusagen kann Vertrauen überhaupt nicht entstehen. Ohne dieses Vertrauen entwickeln Kinder keine emotionale Stabilität. Jedes Gemeinwesen lebt von Voraussetzungen, die wir nicht selber schaffen können.

Unser Bedürfnis nach Sicherheit braucht das: Die Polizei leistet ein Versprechen, das sieben Tage die Woche, vierundzwanzig Stunden am Tag gilt: "Wir sind da." Nicht nur bis Dienstschluss. Oder wenn draußen gutes Wetter ist. Und es nicht zu viel Mühe macht, sich zu kümmern.

Eigentlich sind das alles zu große Schuhe für uns. Und doch leben wir von solchen unbedingten Zusagen. Wir brauchen größere Versprechen, als wir selber alleine und bloß mit der eigenen Kraft halten könnten. Aber wir sind mit unserer begrenzten Vertrauenswürdigkeit und unserem unbegrenzten Angewiesensein auf bedingungslose Annahme getragen. Vom großen Versprechen Gottes: "Ich bin da. Für euch. Alle Tage." Egal ob ihr den Anforderungen genügt. Die man an euch stellt. Egal ob ihr liebenswert genug seid. Egal ob ein Mensch die Würde verdient, die ich ihm gebe.

Diese Treue ist unbedingt. Ohne Wenn und Aber. Und absolut vertrauenswürdig. Und zwar deshalb, weil sie die letzte Grenze jedes Versprechens schon hinter sich hat. Das "bis der Tod uns scheidet. So lange ich lebe. Bis ich nicht mehr kann." Der auferstandene Jesus, der das ultimative Verlassensein durchlebt und den Tod überwunden hat, verspricht seinen Leuten ganz am Schluss: "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Matthäus 28,20) Das letzte Wort im Matthäusevangelium. Das gerade dann gilt, wenn sprichwörtlich "Matthäi am Letzten" ist. Also am Ende eines Lebens, wenn man Trost und Halt so dringend braucht wie ein Verdurstender das Wasser.

Das gilt sogar über den Bestand unserer Zivilisation hinaus. Bis ans Ende der Welt. Seit über 2000 Jahren halten sich Menschen an dieser Zusage fest. Wenn sie allein gegen den Rest der Welt stehen. Wenn sie an der menschlichen Vernunft und der Gerechtigkeit der Welt zweifeln. Und trotzdem nicht aufhören, treu zu bleiben. Was für ein Versprechen.

Dr. Armin Kistenbrügge