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Anstoß zum Nachdenken

Ich bin überzeugt:

Zum Monatsspruch Februar

Ich bin überzeugt:

...Das Leid, das wir gegenwärtig erleben, steht in keinem Verhältnis zu der Herrlichkeit, die uns erwartet - und die Gott an uns offenbar machen will. (Römerbrief Kapitel 8,18)

Das Leiden in und an der Polizei beschäftigt sehr. Unzählige Überstunden, Anfeindungen, vergebliche Mühen - und dann noch Versuchungen und Enthüllungen unrechten Tuns in den eigenen Reihen. Das wiegt schwer. Fragen tun sich auf. Die allgemeine weltpolitische Lage scheint auch eher düster: Diffamierungen und Verunglimpfungen, Gewalt in Sprache und auf der Straße, nationalistische Denkweisen, militärische Aufrüstung tragen nicht zur Deeskalation bei. Der irdische Erfahrungs- und Handlungshorizont ist leiddurchtränkt.

Wie kann man da einer anderen Realität vertrauen? Der Apostel Paulus, Verfasser des Briefs an die Gemeinde in Rom, setzt auf eine andere Wirklichkeit. Er erwartet eine von Leid befreite Schöpfung. Die Gegenwart stehe in keinem Verhältnis zur kommenden Herrlichkeit, verspricht er.

Man könnte sich durch Paulus provoziert fühlen. Nimmt er das gegenwärtige Leid nicht ernst und spielt es herunter, verschiebt er das Leben aufs Jenseits? Nein! Das ist nicht in seinem Sinn. Er vergleicht die Leiden eher wie einen Geburtsschmerz. Die im Werden befindliche Schöpfung seufzt und stöhnt, weil sie "etwas durchmacht" - bis sie endlich das Licht der Welt erblickt. Das neue, erlöste Leben wartet auf sie. Es verfügt über eine ganz andere Qualität.

Hoffe ich auf ein solches zukünftiges anderes, befreites Leben? Was wäre der Gewinn? Vielleicht wird die Wirklichkeit dadurch erträglicher. Ich meine, sie verändert sich dadurch auch. Von außen, oben, vorne - wie auch immer, scheint etwas Anderes, Leichtes, Helles in mein jetziges Leben hinein. Glaube ich nur, was ich sehe, werde ich zum Zweifler. Dann hat die Realität es leicht, über mich zu bestimmen. Lasse ich aber zu, dass es vielleicht noch eine andere Wirklichkeit gibt, eine Herrlichkeit, die an uns offenbar gemacht werden will, dann bin ich dunklen Mächten weniger ausgeliefert. Ich kann sie aushalten und in Frage stellen, damit dazu beitragen, dass sie verschwinden. Neue Verhältnisse werden wahr.

Herzliche Grüße Ihre Polizeipfarrerin Barbara Görich-Reinel