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In Zeiten von Corona

Balance

Ella und Joe (r.) auf dem Weg nach Neuwerk
Ella und Joe (r.) auf dem Weg nach Neuwerk

Um auf die Nordseeinsel Neuwerk im Mündungsgebiet der Elbe zu gelangen, hat man zwei Möglichkeiten: bei Flut mit dem Schiff, bei Ebbe mit einem Wattwagen. Letzterer wird von Pferden gezogen, die je nach Wetterlage dabei außerordentliches leisten - begleitet vom Respekt, aber auch dem Mitleid der Fahrgäste, die aus sicherer Höhe verfolgen, wie die taffen Tiere ihren Karren durch den Schlick ziehen, mitunter bis zum Bauch im Wasser. Der Kutscher beteuert, dass sie das gerne machen und anschließend einen Tag pausieren. Bei der Rückfahrt hat man den Eindruck, das stimmt. Ausgeruhte Pferde scheinen tatsächlich Lust auf den neuerlichen Kraftakt zu haben, ihre "work-life-balance" ist wohl stimmig.

Diese Balance gewinnt auch für uns Zweibeiner seit ein paar Jahren an Bedeutung. Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit hat für immer mehr Priorität. Familie und Privates sollen sich die Waage halten mit beruflichem Einsatz und Karrierestreben. Arbeitgeber begreifen allmählich, dass dies nicht unbedingt ihren Interessen widerstreitet. Ein ausgeglichener Mitarbeiter leistet u.U. mehr und besseres.

Wer sich damit bislang wenig befasst hat, wurde vielleicht durch "Corona" darauf gestoßen. "Lock-down", "Homeoffice", Arbeitszeit- und Schichtwechsel stellten Tagesabläufe auf den Kopf und damit auch manche Sichtweise. Es geht auch anders. Videokonferenzen z.B. sorgten für Konzentration, sparten Fahrzeit und -geld. Umgekehrt wurde manchem bewusst, dass die Begegnung "face to face" einem auch fehlen kann. Neue Gewichtungen, die man so nie in den Blick bekommen hätte, wären kein schlechter Effekt in dem ganzen Covid-19-Schlamassel und seinen Problemlagen.

Jesus hat schon vor 2000 Jahren seine Balance zwischen Einsatz und Rückzug gefunden. Nach einer Massenveranstaltung, die nicht einmal Zeit zum Essen ließ, riet er auch seinen Jüngern:

"Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig." (Markus 6, 31)

Die Corona- Brisanz lässt nach, zumindest in unseren Breiten. Hoffen wir, dass angesichts der Lockerungen die Achtsamkeit nicht auf der Strecke bleibt, auch hier die Balance gewahrt wird. Gott befohlen, bleiben Sie gesund - vor und abseits "des Karren" öffentlicher Sicherheit und Ordnung.

Ltd. Polizeipfarrer Wolfgang Hinz (Foto & Text)