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In Zeiten von Corona

Wann ist das Maß voll?

Von Tugenden und Lastern IV

Wann ist das Maß voll?

Pythagoras hatte ein Problem. Er war als genialer Philosoph der Antike und Mathematiker, wie ihn unsere Kinder heutzutage noch in der Schule kennenlernen, auch der Ingenieur einer riesigen Wasserleitung auf der griechischen Insel Samos.

Allerdings hatte er Bauarbeiter, die gerne nach Feierabend einen oder zwei über den Durst tranken, so dass sie der Restalkohol am nächsten Morgen kaum arbeitsfähig machte.

Er kam auf die Idee, ihnen einen Trinkbecher der Mäßigung herzustellen. Wenn ich ihn mir bis zum vorgegebenen Maß fülle, dann kann ich meinen Wein daraus trinken. Gehe ich aber über das Maß, dann läuft er ganz aus! Nicht nur bis zu der vorgegebenen Markierung - nein, alles ist futsch! Die Arbeiter lernten maßvoll zu trinken und kamen morgens nüchtern zur Baustelle.

Mich hat diese Geschichte aus dem 6. Jahrhundert vor Christus denken lassen, dass es uns ja heute in Zeiten von Corona ähnlich geht. Wenn wir uns nicht an das rechte Maß von Kontakten, von Abstand den anderen gegenüber halten, dann läuft der Becher auch für uns ganz leer - und wir stehen vor einer zweiten und größeren Welle der Pandemie. Das kann nicht unser Ziel sein und ein rechtes Augenmaß ist es auch für Polizistinnen und Polizisten immer wieder nach diesem Maß des Pythagorasbechers in unserer Gesellschaft zu schauen. Dafür gebe Ihnen Gott immer wieder Fingerspitzengefühl und achtsame Entscheidungen!

Text & Bild: Polizeipfarrer Ulrich Briesewitz