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In Zeiten von Corona

Nicht das Ende.

Nicht das Ende.

Ein Leben ohne Technik - unvorstellbar: Immer sparsamere Motoren - raffiniertere Handys - leistungsfähigere Roboter. Weiter - schneller - besser: Dieses olympische Motto treibt Bedürfnisse in immer kühnere Höhen. Fortschritt ist der Takt der Moderne - niemals anhalten, ständig streben, rastlos weiterentwickeln. Antrieb auch medizinischer Forschung: Was ist heute alles möglich - was gestern noch aussichtslos war!

Welch ein Schrecken darum, wenn plötzlich ein winziges Virus uns ausbremst - wir seiner Bedrohung ohnmächtig ausgeliefert sind: Wenn nicht mehr komplexe Medikamente, sondern primitive Quarantänevorschriften mittelalterlicher Pestwellen uns schützen müssen, wenn ein Mundschutz zur Wertsache mutiert.

Auch der Polizeidienst kennt Ohnmachtserfahrungen und Sisyphosarbeiten: Verärgert durch alltägliche Respektlosigkeit, hilflos angesichts sozialen Elends, machtlos gegenüber Regularien des Gesetzgebers. Ohnmacht ist schwer zu ertragen: Wenn die Hände gefesselt, die Optionen ausgeschöpft - wenn nichts mehr geht.

An Karfreitag feiern wir, dass der allmächtige Gott ohnmächtig wurde, ausgeliefert der Übermacht seiner Hasser. An Karfreitag schauen wir auf den Sieg Gottes an Ostern: Seine Ohnmacht triumphierte über die mächtigste Macht aller Machthaber der Welt. Stillstand, lock-down, ja das Sterben gar- ist nicht das Ende unseres Lebens. Unser jetzt lahmgelegter Motor wird von Gott wieder in Schwung gebracht. An Karfreitag erfahren wir, daß Gott unsere Ohnmacht in einen Sieg verwandelt.

Text & Bild: Polizeipfarrer Dr. Martin Schulz-Rauch (schulz-rauch@polizeipfarramt.de)