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In Zeiten von Corona

Zählt die Freiheit noch?

Zählt die Freiheit noch?

Die Freiheitsstatue ist weltweit zum Zeichen für Freiheit schlechthin geworden - sie steht seit 1886 im Hafen von New York. In ihrer Rechten hält sie die Fackel in die Höhe, in ihrer Linken die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die zerbrochenen Ketten der Unfreiheit liegen ihr zu Füßen. In den Zeiten großer Auswanderungswellen aus Europa konnte sich wahrhaftig glücklich schätzen, wer den Hafen von New York nach mühsamer Überfahrt erreichte und die Freiheitsstatue vor Augen bekam. "Freiheit, Freiheit, ist das Einzige, was zählt" - so bringt mehr als 100 Jahre später Marius Müller-Westernhagen in der deutschen Wendezeit die Gefühle vieler auf den Punkt.

In Zeiten der Corona-Pandemie scheint das alles vergessen, Makulatur. Die Flieger bleiben am Boden und mit ihnen die Reisefreiheit. Die eigenen vier Wände markieren den Bewegungsspielraum, der dem Einzelnen unkontrolliert noch zugestanden wird. Juristen zweifeln, ob das rechtens ist und sehen schon die bürgerlichen Freiheiten insgesamt bedroht. Kontaktverbote werden erlassen und die Polizei soll sie durchsetzen. Ein denkbar undankbares Geschäft. Zählt die Freiheit noch?

Gerade jetzt! Freiheit kann nun auch Einsicht in Notwendigkeiten sein. Dieser alte Grundsatz bekommt vor dem Hintergrund "Corona" ein ganz eigenes Gewicht: Nimm dich zurück aus freien Stücken. Übe Rücksicht gegenüber der Freiheit anderer und ihrer körperlichen Unversehrtheit - nicht zuletzt die der Ordnungshüter.

Auch so lässt sich die Fackel der Freiheit weiterreichen.

Text & Foto: Polizeiseelsorgerin Sabine Christe-Philippi