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In Zeiten von Corona

Passionszeit mit Corona

Liebe Polizeibedienstete,

ich mache mir so meine Gedanken: Angesichts des Virus ist persönlicher Kontakt zu meiden. Sie müssen trotzdem raus. Ich wünsche Ihnen, dass sich Ihre Einsätze in Grenzen halten und Sie sich ausreichend schützen können.

Das öffentliche Leben läuft auf Sparflamme. Viele sollen zu Hause bleiben, auch Ihre Kollegen und Kolleginnen. Gut ist, dass die Belastung durch Großeinsätze minimiert ist! Die Arbeit lässt sich umorganisieren und bewältigen.

Doch wie erleben wir diese Krise tief im Inneren? Was macht das Virus mit mir und uns? Einerseits ertragen wir die Situation gelassen, verschieben Termine oder sagen Reisen und Feste ganz ab. Andererseits steigen Ängste hoch. Wann und wie wird es mich und meine Liebsten treffen? Welche Möglichkeiten gibt es dann? Manche können schon jetzt nur begrenzt ihre Angehörigen im Krankenhaus oder Altersheim besuchen, hier fehlt der vertraute Umgang miteinander. Auch die Angst möglicherweise alleine sterben zu müssen, beschäftigt.

Das Miteinander-Teilen dieser Gedanken ist auf das engste Umfeld beschränkt. Zoom und skype ist nichts für jede und jeden, die Kirchen sind nur noch für stille Andacht offen. Die Kommunikation läuft für Alleinlebende verstärkt über Medien. Gefühlt ist man auf sich zurück geworfen. Wie lange kann man das ertragen? 40 Tage lang - so wie der Zeitraum zum Fasten, der inneren Einkehr und Reinigung biblisch überliefert ist? Das fällt schwer, wenn man nicht freiwillig mitmacht oder kein Einsehen hat.

Gewiss hat die Unterbrechung auch positive Seiten: es gibt weniger Lärm, weniger CO² Ausstoß, mehr Zeit für Familie. Und manche Philosophin oder Gesundheitsexperte denkt laut darüber nach, dass aus der Krise möglicherweise ein Umdenken und Umsteuern resultieren könnte: weg von Gewinnmaximierung im bereits angeschlagenen Gesundheitswesen hin zu mehr Orientierung an menschlichen Bedürfnissen. Andere deuten das Virus als Hinweis darauf, dass generell das bisherige Wirtschaften an die Grenzen gekommen ist. Die Folge der Ausbeutung natürlicher Ressourcen lässt Menschen in Lebensräume wie Regen- oder Primärwälder dringen und sich dort mit fremden Viren infizieren oder Tiere kommen in menschliche Nähe und übertragen so bislang unerforschte Viren.

Das Virus könnte einen Wendepunkt in unserem gemeinsamen Leben markieren. Ihn ernst zu nehmen und sich solidarisch beizustehen, sehe ich als stärkste Herausforderung. Ein Leidensweg ist nicht ausgeschlossen. Gott stehe uns bei.

Teilen Sie mir Ihre Gedanken gerne mit: per mail b.goerich@polizeipfarramt.de

Liebe Grüße und bleiben Sie behütet. Ihre Polizeipfarrerin Barbara Görich-Reinel