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In Zeiten von Corona

Vom Geiz und der Freigiebigkeit

Tugenden und Laster VII

Vom Geiz und der Freigiebigkeit

"Einer kann den Hals nicht voll genug kriegen", sagen wir im Blick auf einen, bei dem Haben- und Behalten-wollen im Mittelpunkt stehen. Beim Geben einer Gabe gibt er kleinlich und geizig die roten Groschen, während ein Freigiebiger großzügig Scheine reicht.

Wie großartig ist es, einen freigiebigen Menschen an seiner Seite zu wissen, der einen realistischen Blick auf seine Ressourcen hat und von Herzen gerne gibt, ohne verschwenderisch zu sein. Dem Geizigen zuzusehen, wie er krampfhaft darauf bedacht ist, wenig zu geben und möglichst viel für sich zu behalten, kann befremdlich sein.

Geiz bezeichnet ein Laster, von dem ein Mensch negativ beherrscht wird. Der Sparsame hingegen ist lediglich darauf bedacht, sein Vermögen klug zusammenzuhalten.

Im Blick auf polizeiliches Wirken geht es weniger um ein materielles Vermögen, vielmehr um ein ideelles. Es gibt zahlreiche Güter in unserer Gesellschaft, für deren Schutz Sie als Polizei eintreten: die Einhaltung der Menschen- und Grundrechte oder etwa die Wahrung der Menschenwürde und der Sicherheit im Land. Wer diese immateriellen Güter zu hüten hat, dem hat das Land ein wirkliches Vermögen anvertraut! Doch: wie damit umgehen?

Der geizige Hüter des Gesetzes tritt dem Übertreter von Vorschriften zwanghaft und am Buchstaben des Gesetzes festhaltend gegenüber. Eng und kleinlich zieht er die nötigen Maßnahmen durch, ohne an die Einsicht des Menschen zu appellieren - "law and order" zählt.

Der großzügige und souveräne Gesetzeshüter hingegen ist in seiner Ansprache darauf bedacht, bei seinem Gegenüber menschlich anzudocken und ihn zur Einsicht zu bringen. Wer diese innere Haltung der Freigiebigkeit einnimmt und gleichzeitig mit Klugheit den Ernst der Lage deutlich macht, dessen Handeln wird nachhaltig beeindrucken.

Im Neuen Testament der Bibel ermutigt der Apostel Paulus seine Brüder für ihre Aufgabe:

"In allem werdet ihr reich genug sein zu jeder selbstlosen Güte." (2 Kor 9,11)

Mit Gottvertrauen und Zuversicht kann jeder reichlich geben. Es braucht nicht zu geizen, wer sich selbst reich beschenkt weiß und sich mit Menschenfreundlichkeit anderen zuwenden kann. Die Güte ermöglicht jenem die freie Wahl und die Verhältnismäßigkeit seiner Maßnahmen in der Polizeiarbeit.

Text & Bild: Polizeiseelsorgerin Sabine Christe-Philippi